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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Aprikose, Armelle oder Marille, eine Armenierin voll schmelzenden Liebreizes, die um Christi Geburt nach Griechenland einwanderte und dann über Epirus nach Rom ging, wo das Stück zu des Plinius Zeit (23—79 n. Chr) noch mit 1 Denar (etwa 41 kr. Silberwerth) bezahlt wurde. Durch die Römer gelangte der Aprikosenbaum nach Spanien und Aegypten, in Frankreich aber war er noch 1562 ein Neuling, und in Deutschland wurde der erste 1565 im herzoglichen Lustgarten zu Stuttgart gezogen. Wem und welcher Zeit die United States die Grundlage ihrer höchst bedeutenden Aprikoseneultur verdanken, ist nicht bekannt. Von den etwa 20 Spielarten, welche die Cultur hervorgebracht hat, sind gegenwärtig die frühreife, große Luizet⸗-Aprikose mit etwas wolliger Schale und süßem, gelbem Fleisch und die schon im vorigen Jahrhundert berühmte Breda-Aprikose (auch Brüsseler, holländische oder Ananas-Aprikose) mit glatter Schale und rothgelbem, ananaswürzigem Fleisch am meisten beliebt. Die Aprikose in ihrer ganzen Schmackhaftigkeit zu genießen, ist nur dem vergönnt, der sie selber vom Baume pflücken kann, doch bildet sie, mit Vorsicht transportirt, im August, wo Erdbeere und Kirsche uns verlassen haben, immer das beste Dessertobst; außerdem wird sie frisch zu Marmelade, Creme, Compot und Gefrorenem verwendet. Die massenhafteste Verwendung jedoch findet sie gedörrt (Malteser Aprikosen), eingemacht und candirt (französische Aprikosen) und als Gelée, wozu u. a. die Firma Wucherer & Co. in Würzburg jährlich im Durchschnitt 5000 kg Früchte einkocht. Die Kerne endlich dienen in der Liqueurfabrication zur Herstellung des Ratafia.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 16Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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