FeedBärenschinken
Sitten & ModeAppetit-Lexikon 1894

Bärenschinken, seit Langem als Leibspeise jenes Huronen, „der noch Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannte“, sprichwörtlich geworden, zeichnen sich durch Saftigkeit und eigenthümlichen Wohlgeschmack aus, sind aber in den großen Mittelpunkten der Civilisation nur ganz ausnahmsweise und zufällig zu erschwinglichem Preise zu haben, da Meister Petz in Europa immer seltener wird. In Siebenbürgen allein wurden zwar 1854 noch 86, in Oesterreich-Ungarn 1865 noch 178 und selbst 1890 noch 39 Bären erlegt — über die aufgebundenen fehlt der statistische Nachweis — leider aber pflegen die Schützen das Fleisch selber zu essen und bringen nur die Felle auf den Markt. Diese böse Gewohnheit steht auch der Einfuhr von Bärenfleisch aus Rußland und Schweden entgegen. Gelegentlich der Wiener Ausstellung 1873 kamen zwar auf der Speisekarte der bekannten Frères Provençaux russische Bärentatzen zum Vorschein, man hat jedoch nie wieder von ihnen gehört, und selbst die Pariser Russenfeste des Jahres 1893 haben ihnen zu keinem neuen Dasein verholfen. Gewisse bekannte Bärenpratzen aber, die auch ihr Gutes haben, werden nicht in den Wäldern erjagt, sondern von den Zuckerbäckern geliefert.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 26Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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