Blumenkohl oder Carviol, neben dem König Spargel und der Königin Artischocke das edelste aller Gemüse und in einer heutigen Vollkommenheit der antiken Menschheit durchaus unbekannt, wurde wahrscheinlich erst im 15. Jahrhundert in der Levante (Syrien? Aegypten? Cypern?) aus dem gewöhnlichen Blattkohl gezogen. Frühestens um 1490 brachten die Venetianer ihn nach Italien, und frühestens um 1550 begann dort der Anbau der Pflanze, wozu Venedig und Genua noch bis in's 17. Jahrhundert hinein den Samen von Cypern und Candia bezogen. Seit 1580 etwa wurde der Blumenkohl auch in Deutschland eultivirt, namentlich in Ulm, wo 1637 ein „Calvefiori“ von 1½ Ellen Umfang und 8½ Pfund Schwere geerntet ward. Oesterreich erhielt den Carviol erst nach dem dreißigjährigen Kriege, und sogar noch 1682 mußte der Same aus Italien verschrieben werden. Auch England begann den Carviolbau erst um 1660; bis dahin hatte es seinen Bedarf aus Holland und Frankreich bezogen, wo diese Cultur ebenso wie in der Schweiz und in Spanien mindestens so alt ist wie in Deutschland. Gegenwärtig sind die Hauptplätze des Blumenkohlbaues London, Paris, Amsterdam und Erfurt; letztere Stadt zieht jährlich etwa 250 000 Köpfe und vereinnahmt dafür 35—40 000 Mark. Der Blumenkohl enthält, wie alle Blattgemüse, wenig Nahrungsstoff, aber er ist verdaulicher als die übrigen Kohlarten, und über seine Schmackhaftigkeit ist nur eine Stimme: er ist, in Salzwasser gesotten, mit weißer Tunke vorzüglich, gedämpft mit Rahmsauee vortrefflich, mit Hummer in Kräutersauee ausgezeichnet, in Teig gebacken köstlich, mit Oel und Citronensaft wunderbar, in der Suppe delicat und mit Parmesankäse einfach unübertrefflich. Dabei kann man ihn acht Monate im Jahre (Juni bis Januar) frisch haben, und für die übrige Zeit läßt er sich roh mit Essig und abgesotten mit Butter einmachen. Diese Fülle von Verdiensten wirkt natürlich hinreißend, und der Verbrauch an Blumenkohl ist demgemäß ein wahrhaft großartiger. Wien allein verzehrte im Jahre 1890 nicht weniger als 648 522 kg. Vgl. Broccoli.