Blaufelchen, Bläuling oder Rheinauge, ein Leckerbissen, der lebend vorzugsweise im Bodensee, marinirt und geräuchert aber so ziemlich überall in Deutschland und Oesterreich vorkommt. Der Blaufelchen wird bis zu 75 em lang und bis zu 3 kg schwer und hauptsächlich von Neujahr bis Ostern zwischen Romanshorn bis Constanz zu Tausenden gefangen, um frisch oder marinirt oder geräuchert zu 1—2 Mark für das Kilo verhandelt zu werden. Der frische Fisch darf bei Strafe der gastronomischen Reichsacht nicht anders als gebraten servirt werden und bildet in dieser Gestalt allerdings ein fürstliches Gericht, un vero boccon da Cardinale, wie die Italiener sagen. Bei den Bodenseefischern heißt der einjährige Fisch Stüben, der zweijährige Gangfisch, der dreijährige Renke, der vierjährige Halbfisch und erst der völlig erwachsene fünfjährige Blaufelchen — eine Terminologie, die schon manchen Irrthum auf dem Gewissen hat. Im September 1864 widerfuhr einigen Tausend Felchen die sonderliche Ehre, den süßen Tod für's Vaterland zu sterben, indem bei einer Schießübung der Schweizer Artillerie eine volle Salve in den See und in einen dichtgedrängten Zug von Felchen einschlug. Es sollen bei dieser Gelegenheit an 4000 Fischhelden oder Heldenfische den Tod gefunden haben zur großen Freude der biedern Constanzer und zur tiefsten Betrübniß der braven Artilleristen, die leider bereits abgerückt waren, als dies Ergebniß ihrer Bemühungen bekannt wurde.