FeedBückling
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Bückling, dem Namen nach das höflichste und in Wahrheit ein sehr bescheidenes Wesen, das sich mundartlich auch in einen Böckling oder Pöckling verwandelt, ist eine der gewöhnlichsten Incarnationen des braven Härings, die sich im März und April als Strohbückling und im August bis in den October als Herbstbückling auch auf den bessern Tafeln zeigt. Auch der Winter-Fettbückling oder sogenannte Fleckhäring, der vom November bis März das Feld beherrscht, erfreut sich mit gutem Grunde eines hübschen Rufes, kommt jedoch den zahlreichen höheren Genüssen jener Monate gegenüber wenig zur Geltung. Die Bücklinge werden durch vierundzwanzigstündiges Einlegen des frischen Härings in Salzlake mit nachfolgender Einsperrung in eine besondere Rauchkammer hergestellt und kommen in bester Qualität von Kiel, Emden und Holland aus in den Handel. Man verspeist sie in der Regel zum Butterbrot, Liebhaber aber wärmen sie auf dem Roste und bestreichen sie dann mit Butter oder lassen sie fein zerstückt mit gedämpften Trüffeln in eine Omelette backen. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts weichte man sie sogar in Wein ein, briet sie dann auf dem Roste und verzehrte sie mit Senf — eine Vergeudung, die sich heute kein Mensch mehr einfallen läßt. Der Bückling ist freilich die wasserhaltigste aller Fischeonserven (6570%), der geringe Preis indessen macht ihn trotzdem zu einem billigen Nahrungsmittel.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 74Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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