Chocolade, die aus geschälten und zermahlenen Cacaobohnen mit Zucker und Gewürzen hergestellte Masse und das daraus bereitete süße braune Getränk ist allerdings aus dem Chocolatl oder „Cacaowasser“ der Azteken hervorgegangen, hat aber von allen dessen Eigenschaften nur die Farbe und die Nahrhaftigkeit bewahrt. Der Chocolatl war ein mit Paprika versetzter Kühltrank von scharfem und bitterem Geschmack (s. Cacao), er fand daher in Europa trotz seines Nährwerthes durchaus keinen Anklang, bis man endlich durch die Beseitigung der Paprikawürze, die Einführung der Zuckerzuthat und die Aufnahme der Bereitung mit kochendem statt mit kaltem Wasser den Charakter des Getränkes total veränderte. Erst in dieser neuen Gestalt gewann der amerikanische Trank die Zungen und die Herzen, und erst gegen Schluß des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die Chocoladefabrication zu einem Industriezweige. Dieser bildete zunächst ein Privilegium Mexicos und Spaniens, schon 1606 aber verpflanzte ihn der Florentiner Antonio Carletti, der die Fabricationsgeheimnisse in Westindien kennen gelernt hatte, auch nach Italien, und 1609 machte der Creole Juan de Cardenos in Mexico das ganze Verfahren in einer eigenen Schrift bekannt. Nach Frankreich wurde die Chocolade im Jahre 1615 durch Anna von Oesterreich gebracht, hauptsächlich aber durch spanische Mönche verbreitet, die ihre französischen Ordensbrüder mit dieser Delicatesse beschenkten, und schon 1660 war sie an der Seine so beliebt, daß das Chocoladen-Monopol dem Inhaber Chaillon, einem Hofbeamten der spanischen Gemahlin Ludwig XIV., reichen Gewinn abwarf, bis die Errichtung inländischer Fabriken gegen Ende des Jahrhunderts es hinfällig machte. In London wurde 1657 die erste Chocoladenschenke eröffnet, in Holland aber trat erst 20 Jahre später (1679) Cornelis Bontekoe (gest. 1685) mit Erfolg für den braunen Würztrank ein. Mit gleichem Eifer verfocht Bontekoe, seit 1683 Leibarzt am Berliner Hofe, die Chocolade auch in Deutschland, wo sie freilich schon 1644, doch erfolglos durch eine kleine, in Nürnberg gedruckte Schrift empfohlen worden war. Die Einführung des exotischen Trankes ging nicht ohne Anstoß von Statten. Die Fanatiker des Herkommens verschrieen das neue Getränk seines Nährgehaltes wegen als ein fastenwidriges Nahrungsmittel, und es war ein großes Glück für die Spanier, daß der berühmte Casuist Antonio Escobar y Mendoza (gest. 1669) sich gegen diese Auffassung aussprach und den Grundsatz: Liquidum non frangit jejunium (Flüssigkeit ist kein Fastenbrecher) auch für die Chocolade gelten ließ. In Italien dagegen erklärte sie 1666 der Cardinal Francesco Maria Brancaccio (gest. 1675) ausdrücklich für ein Nahrungsmittel, dessen Genuß mit dem Fastengebote unvereinbar sei. Ihren ärgsten Feind aber hatte die braune Schönheit an einem Wiener Kind, dem Arzte Joh. Franz Rauch, der sie 1722 in seiner Abhandlung „Von der Luft und den Nahrungsmitteln“ feierlichst als die Ursache aller Schäden und Laster seiner Zeit denuneirte und dadurch natürlich alle Lacher auf die Chocoladenseite brachte. Der brave Gelehrte würde sich im Grabe umdrehen, wenn er erführe, daß es zur Zeit nicht weniger als 11 Chocoladefabriken mit 402 Arbeitern in der Kaiserstadt gibt und daß Oesterreich überdies im Durchschnitt jährlich 25 000 Kkg fertiger Chocolade einführt. Wo aber lag die Ursache jenes ingrimmigen Hasses gegen die zungenschmeichelnde, sammtweiche Schöne? Einzig in ihren Tugenden! „Die Milch der Greise“ hat Baron Vaerst sie mit gerechter Begeisterung genannt, der alte Herr Commerzienrath Marperger dagegen bemerkt im Jahre 1718 recht verdrießlich: „Viele junge Weiber geben solchen Trank ihren alten Männern gar willig des Abends, um ihr Leben zu verlängern, wie sie zu reden pflegen — wann man's aber Morgens genießet, wird es wohl besser sein“. Dabei ist jedoch nicht zu vergessen, daß man damals allerdings bei der Bereitung der Chocolade des Guten etwas zuviel that, indem man nicht blos die Masse außer mit Vanille noch mit Cardamomen, Zimmt, Gewürznelken, Orangenwasser und Moschus versetzte, sondern auch noch dem Getränk Anis, Pfeffer, Madeira oder Canarienseet und Eier beimengte. Einfache, gute Gewürz-Chocolade in Milch oder Wasser aber, wie sie dem heutigen Geschmack entspricht, ist durchaus kein Philtrum, vielmehr gerade die Milch-Chocolade bei Magenschwäche äußerst dienlich, da sie fast in der Regel besser bekommt und leichter verdaut wird als reine Milch. Auch die Zugabe von ungequirltem Ei verdirbt nichts, alle anderen Zuthaten dagegen, soweit sie nicht einen rein arzneilichen Zweck verfolgen, sind ebenso widersinnig wie bedenklich, da sie einerseits den feinen, sammtweichen Würzgeschmack des Getränkes ruiniren und anderseits den Magen überreizen. Auch die Ambra-Chocolade, Brillat-Savarin's berühmte „Chocolade der Betrübten“, die man sich mit 30 g Ambra auf die große Tasse bereitet, darf einzig als Arzneitrank zur schnellen Wiederherstellung der durch körperliche oder geistige Anstrengung aufgezehrten Kräfte genommen werden und ist in diesem Falle allerdings ein Göttertrank von wunderbarer Wirkung. Wer sie dagegen, wie das vorkommt, vor der Strapaze nimmt, der handelt ungefähr ebenso klug wie jener, der im Voraus oder auf Vorrath zu schlafen versucht. Die Chocolade kommt in sehr verschiedener Güte im Handel vor, ohne daß man ihr von außen anzusehen vermag, wess' Geisteskind sie eigentlich ist. Die guten Sorten riechen, auch wenn die Tafel alt ist, angenehm würzhaft (niemals ranzig), schmecken rein und mild (nicht rauh oder trocken) und setzen namentlich beim Kochen weder oben Fettaugen, noch auf dem Boden des Gefäßes eine unlösliche Grundsuppe ab. Die französischen und schweizerischen Sorten schmecken in der Regel etwas süßer als die österreichischen und deutschen, sind also stärker mit Zucker versetzt, haben aber dafür einen höheren Gehalt an Theobromin. Die spanische Choecolade dürfte noch heute, wie vor 300 und 200 Jahren, die beste sein; ihr zunächst steht die französische und die portugiesische, dann folgen die schweizerische, die österreichische und die deutsche, dann kommt eine lange Strecke gar nichts und endlich tief unten die englische Chocolade, von der sich nichts sagen läßt als: Beatus qui procul! ..... Bedeutende Chocoladefirmen der einzelnen Länder sind: Mennier in Paris, die großartigste Chocoladenfabrik der Erde, die täglich 50 000 kg zu liefern vermag; Ph. Suchard in Neuchätel; P. W. Gaedke in Hamburg; Gebr. Stollwerck in Köln a. Rh.; Robert Berger in Pößneck (Thüringen); J. Küfferle & Co., Tschinkel, Boxler's Nachfolger in Wien u. a. m. Hinsichtlich der Zusammensetzung unterscheidet man einfache, nur aus Cacaomasse und Zucker bereitete Gesundheits-Chocolade und mit Zucker und Gewürzen bereitete Gewürz⸗- und Vanille-Chocolade. Außerdem aber gibt es noch eine lange Reihe von medieinischen Chocoladen mit Zusatz von Arzneistoffen, wie z. B. weiße Chocolade mit Salep, Eisen-Chocolade mit Jodeisen, China-Chocolade mit Chinarinde, Moos-Chocolade, Chocolade mit Rieinusöl, Orangen-Chocolade, Nuß-Chocolade, Kola-Chocolade, Nährsalz-Chocolade, Pepton-Chocolade, Kalmus-Chocolade, Eichel-Chocolade, Kastanien-Chocolade etc. Und wer daran noch nicht genug hat, dem liefert die Cacaofirma Blooker in Amsterdam auch noch eine Fleisch-Chocolade, die aber, wie zur Ehre der Menschheit constatirt werden muß, bisher noch wenige Unglückliche in Versuchung geführt hat, denn der Appetit überwindet freilich Kautschuk, wie das Sprichwort sagt, vor einem Mengsel von Fleisch und Chocolade aber schreckt er doch zurück.