FeedDamhirsch
Sport & SpielAppetit-Lexikon 1894

Damhirsch, nach gewöhnlicher Annahme kein alteuropäisches Jagdthier, sondern aus Nordafrika eingeführt, doch aber schon zur Zeit Pipin's (gest. 768) in Oberdeutschland nichts weniger als selten, ist gegenwärtig über ganz Europa, Kleinasien und Algerien verbreitet und wird ganz wie der Rothhirsch gejagt, von dem er sich hauptsächlich durch die geringere Höhe, das getigerte Fell und die breiten Schaufeln am Gehörn unterscheidet. In Oesterreich wurde das Damwild schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts zahlreich in den Thiergärten gehalten, nach Brandenburg aber kam es erst unter dem großen Kurfürsten (1640—1688), nach Preußen und Pommern erst unter Friedrich Wilhelm I. (1713—1740); gleichwohl wurden im Jahre 1886 im Königreich Preußen 8586, in der österreichischen Monarchie dagegen im Jahre 1890 nur 2764 Stück Damwild erlegt. Das Wildpret wird wie das des Rothhirsches zubereitet, ist aber weit zarter und schmackhafter, weil fast immer mit Fett durchwachsen, und erinnert einigermaßen an Hammelfleisch, wie es denn auch beinahe ebenso rasch gerinnt. Der treffliche Diätetiker Josef Wiel empfiehlt es mit Nachdruck als Krankenkost — wer sollte da nicht mitrufen: Viva la dieta!

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 127Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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