FeedDornroche oder Nagelroche
TierreichAppetit-Lexikon 1894

Dornroche oder Nagelroche, eine auf der ganzen Oberseite des platten Körpers, namentlich aber längs des Schwanzes mit starken, rosendornartig gekrümmten Knochenstacheln bewehrte Rochenart, liefert ein zwar grobfaseriges, aber weißes, schmackhaftes und verdauliches Fleisch, das gekocht, noch besser aber gebraten ganz vorzüglich mundet und in Italien, in Frankreich und in London den Herbst und Winter über in großen Mengen consumirt wird. Der Fisch ist an allen europäischen Küsten mit Ausnahme der norwegischen und der Ostseegestade durchaus häufig und erreicht bei durchschnittlich 8S0 em Länge und 50—60 em Breite ein ansehnliches Gewicht, so daß in Frankreich. und England beträchtliche Mengen eingesalzen und getrocknet werden, während in Deutschland, von einigen wenigen Küstenplätzen der Nordsee abgesehen, selbst die Fischer nichts mit dem wehrhaften Gesellen anzufangen wissen und im Binnenlande sein Fleisch sehr zum Schaden der bürgerlichen Küche durchaus unbekannt ist. Dorsch (d. h. Dörrfisch), genauer Ostsee-Dorsch, ist eine Spielart des Kabeljaus oder Hochsee-Dorsches, die ausschließlich in der Ostsee vorkommt und bei 50 em Länge und höchstens 15 kg Schwere an Zartheit und Wohlgeschmack den Kabeljau in demselben Maße übertrifft, in welchem sie ihm an Größe und an Schwere nachsteht. Der Fisch ist daher frisch sehr gesucht, und noch vor fünfzig Jahren galt frischer Ostsee-Dorsch für ein Herrenessen, während ihn heutzutage auch der Arme haben kann. Er kommt ausschließlich gesotten mit Senf- oder weißer Oelsauee auf den Tisch, das Fleisch ist aber so weich und zart, daß beim Kochen die größte Sorgfalt beobachtet werden muß, damit der Fisch nicht aus den Gräten fällt. Gedörrt ist er übrigens um kein Haar besser als der Stockfisch. Dragée hieß ursprünglich alles kleinere Zuckerwerk oder Confect aus Gummi und Zucker, also Zuckerkörner, Zuckererbsen, bunter Hagel, Zuckerringe, Zuckerkränze u. s. w. Schon im vorigen Jahrhundert aber verstand man darunter vorzugsweise die Confecte, die heutzutage zumeist als Canditen bezeichnet werden, nämlich mit Zucker überzogene Mandeln, Nüsse, Pistacien, Aniskörner re. Diese beiden Bedeutungen sind jedoch veraltet, und gegenwärtig nennt man Dragée oder auch Choeoladen-Dragée die gleichfalls candirten Nachahmungen derartiger Früchte etc. aus Chocoladenmasse.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 131Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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