Marzipan, unrichtig Mareipan, in verschiedener, bisweilen künstlerisch vollendeter Gestalt auftretendes Confect aus Mandelbrei, der mit Rosenwasser angemacht und mit Gewürzen und Zucker verarbeitet wird, steht bei Philologen wie Gastronomen nicht ohne Grund im Rufe der Unverdaulichkeit. Den Liebhabern des Wortes ist freilich leicht zu helfen, sobald sie sich nur entschließen können, einmal beim Worte „Marzipan“ fünf Minuten lang weder an den von Heinr. Gustav Flörke erfundenen unfindlichen Erfinder Marzo noch an den heiligen Marcus, den Schutzpatron der Bäcker und der Republik' Venedig, zu denken. Das Marzipan ist nämlich kein „Marcusbrot“, kein Marci panis, wie es im ausgeprägten Küchenlatein des absterbenden Mittelalters genannt wurde, sondern es ist Panis Martius, ital. Marzapane und daraus verdorben Masseépain, zu deutsch Märzbrot, d. h. Osterbrot, das im März gebacken und zum Osterfeste auf den Klostertisch kam — auf den Klostertisch zuerst, denn das Marzipan ist eine— Erfindung der Klosterküche des Mittelalters, wenn auch keineswegs deren größtes Verdienst, da es im Punkte der Schwerverdaulichkeit alles übrige Gebäck übertrifft und zahllose Indigestionen auf dem Gewissen hat. Diese leidige Schwerverdaulichkeit beruht auf dem unerhört hohen Fettgehalt (etwa 31%0) der Masse, der mit einem gleich hohen Zuckergehalte Hand in Hand geht, und dessen Bewältigung daher eine Aufgabe bildet, der gegenüber jeder nicht durchaus kerngesunde Magen sich zu einem kläglichen Non possumus genöthigt sieht.