Ratafia, ein dem Spanischen entlehntes, wahrscheinlich aus recteficata (nämlich Aqua vitae) verstümmeltes Wort, bezeichnet eine besondere Gattung von Liqueuren, bei deren Bereitung an Stelle des Wassers frischer Obstsaft (zumeist mit den zerkleinerten Fruchtkernen) und an Stelle der Destillation das Aufgußverfahren tritt. Hierher gehören u. a. der Himbeer⸗, Johannisbeer-⸗, Kirsch-, Maulbeer-, Quitten- und Pomeranzen-Ratafia, sowie der schönfarbige, seinerzeit hochberühmte Cassis, der, aus zerquetschten Ahlbeeren bereitet und nach der Stadt Cassis in der Provence benannt, seit 1712 in Frankreich soviel Furore machte, daß sein Name dort auf die Ahlbeere selbst übergegangen ist (vgl. Johannisbeere). Ihrer Farbe wegen pflegte man diese Saft-Rafias früher als rothe zu bezeichnen und damit den älteren weißen Ratafias entgegenzusetzen, die vorzugsweise aus Aprikosen-⸗ und Pfirsichkernen oder grünen Nüssen bereitet werden und sich durch kräftigen Geruch und ausgeprägten, etwas pikanten Kerngeschmack auszeichnen. In der zweiten Hälfte gdes 19. Jahrhunderts ist der Name Ratafia so ziemlich in Vergessenheit gerathen, da namentlich die weißen Ratafias immer mehr von den Crômes verdrängt werden.