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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Rauke ist der gemeinschaftliche Name zweier Cruciferen, von denen die eine, die sogenannte wilde Rauke, auch Wegesenf oder Eisenkraut, in ganz Mitteleuropa an Wegen und Zäunen wild wächst, aber wohl nirgends mehr als Gemüselieferantin angesprochen wird, während die andere, die zahme oder Gartenrauke wenigstens in Südeuropa noch immer zu den Küchengewächsen zählt. Diese zahme Rauke auch Senfrauke, Raukenkohl, Rauche, Raukette, Ruke und im 17. Jahrhundert Ru gete genännt, ein einjähriges Kraut mit meterhohem, verästeltem Stengel, saftigen, grünen Blättern und ziemlich großen, blaßgelben Blumen, ist in Südeuropa heimisch und wird dort noch heute wie schon im Alterthum als Salat- und Gemüsepflanze cultivirt. In Deutschland dagegen, wo sie 1565 im Stuttgarter Lustgarten als Seltenheit gepflegt wurde, hat man sich nur ganz vorübergehend mit ihr befreundet und sie schon seit mindestens 120 Jahren wieder fallen gelassen. In Oesterreich scheint sie überhaupt niemals Fuß gefaßt zu haben, denn Hohberg (1682) erwähnt sie mit keiner Silbe und Ritter v. Beck in neuester Zeit (1802) gedenkt ihrer nur, um ihre Abwesenheit zu constatiren. Die Tafel hat auch nichts an diesem Gewächs verloren, denn der herbe Geschmack und besonders der widerlich ranzige Geruch der Blätter macht die Raukengerichte abstoßend.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 440Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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