FeedSchnepfe
TierreichAppetit-Lexikon 1894

Schnepfe, genauer Wald⸗ oder Holzschnepfe, niederdeutsch Sneppe, franz. Bécasse, ein äußerst humaner Zugvogel, der alljährlich im März und April den ebenso beliebten wie berühmten „Schnepfenstrich“ veranstaltet; kommt in zwei Arten vor, von denen die eine annähernd die Größe eines Feldhuhns (doch ohne dessen Fleischigkeit und Schwere) besitzt, die andere aber um ein Drittel kleiner ist. Wenngleich im Geschmack um eine Nuance derber als die Becassine, zählt die Schnepfe nichtsdestoweniger zu den besten und gesuchtesten Bissen, und das nicht blos im Herbst, wo sie: auf der Zinne ihres Fettes steht, sondern auch im Frühling, wo sie freilich etwas ausgemergelt, aber bei dem Mangel an anderweitigem Wildpret und Geflügel äußerst werthvoll und doppelt willkommen erscheint. Man verspeist sie gefüllt mit Trüffel⸗ und Gänselebergehäcksel, als kalte Pastete, als Salmi und — last not least! — am Spieß gebraten mit Schnepfendreck- und Kresse-Garnitur. „Der Schnepf ist nämlich eines von dem köstlichen Wildprett, das man mitsammt dem Ingeweid zu essen pfleget“ (Hohberg) und dies Eingeweide, das man entweder im Leibe des Vogels selber oder mit Speck, Weißbrot, Eigelb und Sardelle zusammengehackt und auf dünne Brotschnitten gestrichen, für sich im Ofen bäckt, führt den waldfrischen, poetischen Namen Schnepfendreck. Die Waldschnepfe ist in Oesterreich, wo jährlich im Durschschnitt 25 000 Stück erlegt werden, etwas häufiger, in Norddeutschland dagegen und ebenso in Frankreich etwas seltener als die Becassine. Paris consumirt gegenwärtig zwischen 20 000 —24 000 Stück jährlich im Preise von 2½.—5 Mk. per Exemplar. Vgl. Becassine und Mittelschnepfe.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 502Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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