FeedSoya oder Soja
Handwerk & GewerbeAppetit-Lexikon 1894

Soya oder Soja, engl. Shoya, eine pikante Handelssauce Japans von brauner Farbe und dicklicher Consistenz, wird aus Gerste oder Weizen, Salz, Wasser, Hefe und gerösteten Sojabohnen (Frucht von Soja hispida Moench, einer Base unserer Gartenbohne) mittelst äußerst langsamer, 1—3 Jahre beanspruchender Vergährung hergestellt und in undurchsichtigen Flaschen, in denen sie gegen die Zersetzung durch Licht und Luft geschützt ist, in den Handel gebracht. Bei durchschnittlich 1¼6% Stickstoff-, 1½¼/ Dextrin⸗ und 3¾% Zuckergehalt übertrifft die Soja alle andern Handelssaucen an Nährwerth, wie sie ihnen denn auch an Haltbarkeit und pikantem Aroma überlegen ist. In Japan, dessen Jahresproduction sich zwischen 540—720 Millionen Liter bewegt, bildet sie daher ein wahres Volksnahrungsmittel, das zu keiner Mahlzeit fehlen darf und zum Theil das Fleisch zu ersetzen hat. In Europa wurde die Soja dem Namen nach 1764 durch den Schweden Karl Gustav Ekberg bekannt, scheint auch damals schon gelegentlich nach England und Holland gekommen zu sein, ihre Zusammensetzung aber blieb so sehr Geheimniß, daß man sie ohne Umstände mit dem ostiudisch-englischen Catchup zusammenwarf, woher diesem noch heute der Name indische Soya (India Soja) im Gegensatz zur echten Japan-Soya anhaftet, was sich um so leichter rechtfertigen läßt, da zur Herstellung des ostindischen Catchup gleichfalls Sojabohnen verwendet werden. Auf jener Verwechslung beruhen auch die Recepte zur Soja-⸗Bereitung in den europäischen Kochbüchern, die unter diesem Namen nichts Anderes als eine Art Champignonessenz verstehen. Die Feinheiten der japanischen Soyafabrication sind noch immer ein Geheimniß, wirkliche Soya ist daher einzig und allein aus Japan selber zu erhalten, wo neben der großen Hauptfabrik in Tokio auch die Firma G. Yamoyscki zu Noda (Provinz Schimosa) für den Export arbeitet. In Deutschland ist echte Tokio-Soya (Tokio-Shoya-Kwaisha) u. a. von der Delicatessen-Großhandlung von S. Pollak in Magdeburg zu beziehen.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 514Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Handwerk & Gewerbe 6