FeedWachholderbeeren
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Wachholderbeeren, die runden, schwarzbraunen, graublau bereiften Früchte des gemeinen Wachholders, der mit Ausnahme der heißen Regionen auf der ganzen nördlichen Erdhälfte heimisch ist, sind verhältnißmäßig reich an Zucker (7%%), Fett (2·874) und Stickstoffsubstanz (0.9) und zeigen frisch bei süßlichem Anfangsgeschmack einen aromatisch-bittern Nachgeschmack, der bei längerm Lagern der Früchte in's leicht Säuerliche übergeht. Dieses Würzgeschmacks wegen, der auf einem Gehalt an ätherischem Oel beruht, verwendet man die Beere in der Küche zum „Wildmachen“ von Schlachtfleischragouts, zur Aromatisirung des Sauerkrauts, und namentlich als Wildpretwürze, insbesondere bei Schwarz- und Federwildpret, wo sie so sehr am Platz sind, so daß die aus Fleischsaft, Kraftbrühe, Weißwein, Orangensaft und Wachholderbeeren bereitete Kramsvögel-Tunke den großen Grimod zu dem geflügelten Worte hinriß: „In dieser Sauee könnte man seinen eigenen Vater verzehren!“ Wie alle Gewürze, fördern die Wachholderbeeren die Verdauung und wirken zugleich günstig auf die Schweiß- und Harnausscheidung. Aber obgleich in Italien an Wachholdergesträuch kein Mangel ist, wurden die culinarischen Verdienste der Beeren doch erst im Mittelalter entdeckt. Gegenwärtig bilden dieselben einen nicht unbedeutenden Handelsartikel; auch in Oesterreich und besonders in Ungarn. Frankreich führte 1880 nicht weniger als 1059 650 kg von diesem Artikel ein — hauptsächlich zur Branntweinfabrication.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 569Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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