FeedZuckerwurzel
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Zuckerwurzel, Görlein, Gierlein oder Gierw ein perennirendes Doldengewächs aus der Verwandtschaft Sellerie, des Dills, der Petersilie u. s. w., liefert in süßen, würzhaft schmeckenden Wurzeln, die nach Art Möhren zubereitet werden, ein recht leckeres und gut ver liches Gemüse, das in Südwestdeutschland sehr geschätzt! während die Pflanze in Norddeutschland selten und in Oereich so gut wie unbekannt ist. Als Heimat der Zuckerw. galt früher China; sie findet sich jedoch wild nur in weiten Gebiete vom kleinen Altai bis in's nördliche Per und muß schon früher nach Deutschland gekommen sein. falls ist es auffallend, daß die beste Sorte noch jetzt am R und um Frankfurt am Main gezogen wird. Zunge, von altersher als Leckerbissen berühmt und durch Dicetum der Salerner: Reddit lingua bonum nutrimentum medicinae: Nahrung, die gut wie Arznei, gibt die Zunge — noch mit dem Breve der Bekömmlichkeit versehen, zeichnet durch eigenartigen Wohlgeschmack und hohen Nährstoffut aus und wird daher allerseits mit Zuvorkommenheit aufömmen, beinahe ohne Rücksicht darauf, ob sie vom Ochsen vom Büffel, vom Hammel, vom Schwein oder vom thier stammt. Südamerika bringt sogar geräucherte dezungen in den Handel! In der Regel werden die gen, um ihnen die bekannte schöne Farbe zu geben, mit z und Salpeter eingelegt und dann geräuchert oder ocknet. Man verwendet sie aber auch frisch und servirt zesotten, gedämpft oder geröstet mit mannigfachen Beim. Da sie kalt ebenso vortrefflich mundet wie warm, so et sie einen fast unentbehrlichen Bestandtheil der „kalten he“, und spielt namentlich bei Jagdmahlen und Gabelstücken eine Rolle. Für einen ganz besondern Schatz htet man die Karpfenzunge, die aber nicht Jedem in's ul fällt, der da möchte. Zweikorn s. Dinkel. Zwetsche, Zwetschke s. Pflaume. Zwieback, ursprünglich „Zweiback“, die etwa seit 1600 Aufnahme gekommene Verdeutschung des französischen zit, bezeichnet ohne Zusatz in Norddeutschland den Milcheback, den man aus Semmelteig mit Milch herstellt und, dem er altbacken geworden, zum zweiten Mal in den bringt und röstet. Vgl. Bisquit und Schiffszwieback. Zwiebel, in Oesterreich und Baiern Zwiefel, in der veiz Zibeln, in Thüringen Zippel, in Niederdeutsch— Bolle, ist eine Asiatin, die sich in dem weiten Gebiet Ganges bis zum Jordan wild findet, schon in vorhistorischer Zeit aber einerseits nach China und ander nach Aegypten gelangte, wo man sich so tief in ihre Reisenkte, daß sie nicht blos aus Liebe verspeist, sonderr zum Gaudium der Römer im eigentlichen Sinn des 2 vergöttert wurde. Kaum weniger war sie bei den Hel beliebt, und daß sie auch unter den alten Deutschen glü Verehrer hatte, beweist der Vorwurf des Sidonius a Burgunder: sie röchen nach Knoblauch und nach Zwi Dieser böse Duft, in Verbindung mit einem nicht ger Grad von Schwerverdaulichkeit und dazu der ster Geschmack, der aber bei den südeuropäischen Zwiebel Weitem nicht so ausgeprägt erscheint wie diesseits der 2 sind die schwache Seite der Zwiebel. Für die Zwiebe Gemüse ist kein Platz mehr auf der guten Tafel: die Zw suppe und selbst der berühmte Zwiebelbrei à la Soubise beg heute nur noch kräftigst abwehrenden Handbewegungen. Gewürz dagegen, in kleiner Menge diesem oder jenem G passend beigefügt, ist die Zwiebel durchaus an ihrem Platz sie doch recht eigentlich die Vanille des armen Mannes, de bei derbern Schüsseln auch der feinen Küche ohne Bed bedienen kann, so sehr sie sonst die Schalotte zu bevor— Ursache hat. Vielleicht erlebt aber auch die Zwiebel noch eine großartige Rehabilitation und Wiedereinführung i beste Gesellschaft, denn die große Schule von Salernoel Contritis cepis loca denudata capillis Saepe fricans, poteris capitis reparare decorem-Salbst mit zerstoßener Zwiebel Du emsig das haarlose Haupt Zeigt bald von Neuem die Glatze mit lockigem Schmuc belaubt d

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 600Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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