Gelee von Hirschhorn, Nehmet 3 viertel Pfund klein geraspelt Hirschhorn, thut es in einen neuen Topff, giesset helles Brunnenwasser drauf, und lassets eine halbe Stunde stehen. Hernach seiget das Wasser davon ab, giesset anders drauf, setzet solches in einen Topff von 2. Kannen zum Feuer, davon aber über ein Nösel einkochen muß, unter währender Zeit werffet ein halb Loth geschnittene Hausen-Blätter darzu, und lasset selbe auch eine halbe Stunde mit kochen; hierauf nehmet mit einem Eßlöffel ein wenig heraus, thuts auf einen zinnern Teller, setzet es in ein kühles Ort, daß solches erstarre, hebet den Topff mit dem Hirschhorn vom Feuer, lasset es ein wenig fallen, daß das trübe unten kömmt. Nun seiget solches wieder in einen andern neuen Topff, thut es bey Seite, welches, wenn es eine Weile gestanden, trübes oder fettes oben zeigen wird; alsdenn decket so lange Lesch-Pappier drüber, biß ihr alles herunter habt. Ist nun das auf dem Teller zur Proba hingesetzte sehr hart worden, oder ist es, wie gebräuchlich, geblieben, so müsset ihr den Zusatz darnach einrichten. Nach diesem thut den Stand in eine gute verzinnte Casserole oder reinen Tiegel, nehmet von 6. Citronen den Safft, und giesset solchen nebst dreyviertel Nösel Wein auch dran, bindet ingleichen in ein sauber Tüchlein allerhand gantze Würtze, (nur keinen Saffran) und leget solches nebst 1 halb Pfund Canarien-Zucker gleichfalls darzu, welches zusammen auf einem Kohlfeuer 1. halbe Stunde einen guten Sud thun muß. Waschet ferner Eyer schön weiß ab, schlaget solche auf, thut das Weisse in eine irrdene Schüssel, und das gelbe setzet sonst wohin, zerdrücket die Schalen, leget sie zum Eyweiß und machets also auf diese Art mit allen 6. Stücken. Nach diesem nehmet eine Schneepeitsche, welche von bürckenen Reißig gemacht, weiß abgeschabet, und wie eine Ruthe zusammen gebunden wird, schlaget die Eyer nebst denen Schalen zu einen Schnee. Wenn die Gelee nun in völligen kochen ist, dann schüttet den geschlagenen Eyerschnee hinein, rühret solchen im Tiegel wohl um, und lasset die Geleè noch einen Sud thun, so wird sich alle Unreinigkeit in den Schnee, und an die Schalen legen; setzet es hernach vom Feuer, lasset solches eine Weile stehen, so wird sie sich läutern. Inzwischen nehmet einen Gelee Sack, der ist von weissen dicken Tuch gemacht, oben in der Rundung eine Elle weit und unten aus gantz spitzig, er muß aber sehr feste genehet, und die Nad mit weissen Zwirn-Band besetzet seyn; so sind auch an diesem Sack oben Bändergen angenehet, damit man denselben an seinen eisern oder höltzern Reiffen binden kan. Der eiserne Reiff ist also beschaffen: Er hat eine Schraube einer quer Hand lang, und wird an einem Ort geschraubet wo es am bequemsten die Gelee zu giessen, und an diesen Reiffen wird nun der Sack gebunden. Ehe ihr aber begiesset, so leget unten in die Spitze des Sacks ein wenig reine Baumwollen, und oben über den Sack breitet eine Serviette, giesset alsdenn etwas von der Gelee drauf und lasset es lauffen; unter dem Sack aber muß ein reines Geschirr stehen, daß ihr mit Pappier bedecken sollet, damit kein Staub darein fliegen kan, mitten im Pappier muß ein Loch seyn, über welche die Spitze des Sackes just hengen und die Gelee nach und nach durchlauffen muß. Ist solches nun geschehen und wird doch zum ersten mahl die Gelee nicht klar genug, so lasset sie öffters durchlauffen. Im Winter aber muß man mit dergleichen Arbeit in einer Stube seyn, oder 2. biß 3. Kohlfeuer um den Sack herum stehen haben: denn wenn die Gelee zu kalt wird, läufft solche nicht wie es seyn soll.