FeedFeuer-Täntze
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Feuer-Täntze, Jn Pegu in Asien. Wenn daselbst ein Bramine stirbet, wird sein Leib verbrannt. So lange das Feuer brennet, wird allezeit Aloe, Myrrhen, Corallen und Gewürtze hinein geworfen, indessen die Trummeln und Paucken mit grossem Schall erklingen, wornach 20 bis 30 starcke Kerl in Larvem um den Holtzhauffen lustig herum tantzen. Das Weib des verstorbenen Pfaffen führet dabey eine traurige Klage. Und dieses geschiehet um die Mitternacht. Nach verflossenen 15 Tagen berufft das Weib, welche sich aufs kostbarste geputzet hat, ihre und ihres verstorbenen Mannes gesamte Freundschafft an den Ort, wo der Mann verbrannt worden, zum Todten-Mahl zusammen. Da wird eine Grube, wie ein Ziehbrunnen gegraben, mit wohlriechendem Holtze angefüllet, mit Blumen bestreuet, und denn mit einem seidenen Tuche zugedeckt, daß man sie nicht siehet. Nach geendigter Mahlzeit stehen etliche Musicanten um die Grube herum, und spielen der Wittwe den letzten Todten-Reihen. Denn da kömmt das armselige Weib mit vollen Freuden zur Gruben herzu getantzet, wickelt sich in das seidene Tuch und stürtzet sich selbsten in die feurige Glut. Welche Weiber sich dessen wegern, werden für Ehr-vergessene Metzen gehalten, und müssen sich zu den allerunehrlichsten Wercken gebrauchen lassen. Von einem andern Feuer-Täntze sehe man unten Schwedische Feuer-Täntze.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 764–765Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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