Reisen, Proficisci, Voyager, Das Reisen ist eine Besichtigung fremder Länder, derer Nationen, Sitten und Gebräuchen, welche Reisen, wenn sie klüglich angestellet werden, sehr nützlich und fürträglich sind, um Weisheit zu erlangen, und den Verstand zu schärfen, da dann nicht leicht ein Cavalier wird gefunden werden, der nicht solte fremde Länder besucht, oder die Seinigen darzu angehalten haben, wenn es anders dessen Umstände zugelassen: Wem es nicht erlaubt ist, kostbare weite Reisen zu thun, der kan wol auf seiner Studir-Stube sich ebenmäßig aus guten Büchern und dem Umgange mit erfahrnen Leuten bekannt machen, was ein anderer durch das gefährliche mühsame Reisen in etlichen Jahren thun möchte. Zudeme so floriren in Deutschland alle Adeliche Exercitia, freye Künste und Studia auf Ritter-Academien und Universitäten. Auch werden hin und wieder wohlbestellte Regierungen gefunden, daraus er gnugsam lernen kan, wie ein Regiment wohl und klüglich zu führen sey, wobey er die grossen Kosten ersparen kan, so daran gewendet werden müssen, und doch der Nutz manchmal schlecht, auch offtmals an stat des Nutzens grosser Schade bey vielen erfolget. Denn was lernen manche in Jtalien und Franckreich, als daß sie derselben Uippigkeit sich zugleich theilhafftig machen? Sie nehmen gar leicht derselben Venerische Woll ust auch an sich, und lernen die Intriguen und Practiquen in Regierung und bey Höfen (die der alten Deutschen Redlichkeit gantz zuwider sind) wie sie sollen neue Beschwerden und Auflagen einführen, und der Unterthanen Privilegien unterdrucken. Ja viele lassen es dabey bewenden, wenn sie eine seltsame Façon einer Art von Kleidung und etliche lächerliche Ceremonien aus fremden Ländern bringen; Da dann die alte deutsche aufrichtige Sitten verderbet, und dargegen viel Laster eingeschoben werden. Könte also durch diesen Mißbrauch dem Vaterlande leicht Unheil zuwachsen, eben wie es mit den Römern sich zutrug, als sie der Griechen Laster und üble Sitten annahmen.