Holbein (Hans), genannt der Jüngere, einer der größten deutschen Maler und vorzüglichster Vertreter der Renaissance, geb. 1497 zu Augsburg, wurde nebst dem minder bedeutenden Bruder Ambrosius vom Vater zum Künstler herangebildet. Er wählte Basel zum Ort seiner Thätigkeit, wo er bereits 1515 erscheint. Der um jene Zeit vorzugsweise auch in Basel blühende Buchdruck gab H. durch Zeichnungen für den Formschnitt den ersten Anlaß künstlerischer Bethätigung. Wenigstens bestehen seine frühesten datierten Arbeiten aus Titeleinfassungen, in welchen bereits der ganze Reichtum seines Kompositionstalents sich entfaltet. Doch zeigen Aufträge geringern Belangs, wie eine bemalte Tischplatte (1515, im Stich herausg. von der 3435 Au90 für vervielfältigende Kunst in Wien), das Aushängeschild eines Schulmeisters (1516), daß der Künstler zunächst noch jeden Verdienst wahrzunehmen hatte. Wichtig wurde für ihn seine Verbindung mit dem Buchdrucker Joh. Frobenius, der seine Bekanntschaft mit bedeutenden Gelehrten, namentlich mit Erasmus von Rotterdam vermittelte. Der letztere schenkte ihm seine volle Gunst, nachdem H. ein Exemplar des «Lobes der Rarrhatte mit geistreichen Federzeichnungen illustriert atte. Doch ließ auch schon 1516 der neugewählte Bürgermeister Jakob Meyer nebst seiner Gattin sich von dem jungen Maler porträtieren. Mit dem nächstdatierten Porträt, dem des baseler Professors Bonif. Amerbach, von 1519, gegenwärtig im baseler Museum, steht der 22jährige Jüngling ebenbürtig neben den größten Porträtmalern aller Zeiten. Doch hatte er auch vorher schon Gelegenheit gefunden, sich in größern Kompositionen zu versuchen; 1517 befand er sich in Luzern, wo er den Auftrag erhalten hatte, den Neubau eines Jakob von Hartenstein außen und innen mit Wandmalereien zu schmücken. Erhaltene Skizzen, wie der berühmte Bauerntanz im berliner Museum, beweisen, daß H. für solche Dekorationen mehrfach in Anspruch genommen war. Von den Originalen hat sich nichts erhalten. Auch lieferte H. manche treffliche Entwürfe für die damals in der Schweiz in hohem Ansehen stehende Glasmalerei, meistens biblische Scenen in ornamentalen Einfassungen, aber auch Wappen mit prächtigen Figuren als Wappenhalter. Von monumentalen Arbeiten jener ersten Periode seiner Thätigkeit sind zu nennen: ein Abendmahl, ersichtlich unter dem Einflusse der großen ital. Künstler der vorhergehenden Epoche entstanden; acht Passionsbilder, ebenfalls noch den genannten Einfluß bezeugend, doch höchst lebendig, unter Erstrebung einer dramatischen Wirkung komponiert; die beiden Orgelthüren des baseler Münsters mit Figuren von großer Formenschönheit, leider 1639 durch übermalung verdorben; zwei Altarbilder, Geburt Christi und Anbetung der Könige, später nach Freiburg i. Br. gebracht; eine Madonna, bezeichnet mit 1522, ursprünglich für den Dom zu Solothurn gemalt, ein Werk von hoher Bedeutung; vor allem aber die Madonna der Familie Meyer von 1526, die schon durch die in der Gemäldegalerie zu Dresden ent-Amdi Kopie die Bewunderung der Welt erregte. uf diesem Bilde hat der genannte Bürgermeister sich mit seinen beiden Frauen und seinen Kindern, vor der ganz in nordischer Auffassung vorgeführten Himmelskönigin in Anbetung versunken, darstellen lassen. Das Original, das wahrscheinlich in der Hauskapelle des Bestellers dem 1529 über Basel ergehenden Bildersturm entgangen war, geriet nach den mannigfachsten Schicksalen in Vergessenheit, aus der es, von der Zeit beschädigt und durch libermalung entstellt, erst in der neuesten Zeit im Besitz der Prinzessin Elisabeth von Hessen-Darmstadt wieder hervorgezogen wurde. In seiner Echtheit n Der⸗ angezweifelt, wurde es indes 1871 auf der zu Dresden veranstalteten Holbein-Ausstellung, auf welcher es neben dem Bilde der genannten Galerie stand, von einer großen Anzahl der namhaftesten Kunstkritiker anerkannt. 330 Holbein (Franz Ignaz, Edler u Bei all diesen größern Aufgaben hörte H. nicht auf, für die Buchillustration zu zeichnen, worin er von dem trefflichen Holzschneider Hans Lützelburger unterstützt wurde. Seine bedeutendste Arbeit dieser Art ist der berühmte Totentanz (s. d.), der, schon damals in mehrern Auflagen erschienen, auch neuerlich von Lödel kopiert worden ist. Auch ein Initialenalphabet mit Totentanzbildern existiert aus H.s Hand. Die Ungunst der Zeiten vertrieb den Künstler endlich vom Schauplatze seiner Thätigkeit, und 1526 begab er sich nach England, mit Empfehlungen von Erasmus versehen und vom Kanzler Thomas Morus, der ihn aus mehrern Porträts seines gelehrten Freundes schon kannte, wohl empfangen. Hier wandte er sich ganz der Bildnismalerei zu, wie er denn auch bald nach seiner Ankunft ein großes Familiengemälde seines Gastfreundes ausführte, welches indes nur aus einer Skizze und Studien bekannt ist. Mit Geld reichlich versehen kehrte H. bereits 1528 in seine Heimat zurück, wo er seine schon früher begonnenen Arbeiten im Rathause wieder aufnahm. Aus dieser Zeit rührt auch die Porträtdarstellung seiner Frau und beiden Kinder, auf Papier in Lebensgröße ausgeführt. Die ungünstige Wendung der schweiz. Reformation nötigte den Künstler indes, zum zweiten mal England aufzusuchen, wo er zwar, 1532 angelangt, seinen Gonner nicht mehr im frühern Ansehen fand, doch es in der Folge zum Hofmaler König Heinrichs VIII. brachte. Von größern Kompositionen hat H. in England, soviel bekannt, nur drei ausgeführt, zwei Dekorationsstücke (der Triumph des Reichtums und der Armut) und die Ausstellung des Freibriefs durch den König für die Barbier⸗ und Chirurgengilde. Im übrigen lieferte er, in Ol⸗ und Miniaturmalerei, Zeichnung und selbst Holzschnitt, zahlreiche Porträts, welche, wie das des Goldschmieds Morett zu Dresden, unter die ersten Kunstwerke der Welt zählen. Kein anderer Maler hat es je so verstanden, ohne Hinzuthun aus der eigenen Persönlichkeit, die fremde Individualität voll und wahr aufzufassen und meisterhaft wiederzugeben. Bei den sorgfältiger behandelten Bildern ist die Technik, obwohl sehr einfach, doch unerreichbar, die geistige Durchdringung des Vorwurfs ein Zeugnis höchster Künstlerschaft. Auch für das Kunstgewerbe lieferte H. Dgdferune de die später Wenzel Hollar zum Teil in Radierung vervielfältigte. Noch einmal, 1538, sah er Basel und die Seinen wieder 1543 raffte ihn zu London die Pest dahin. Werke der frühern Zeit finden sich vorzugsweise zu Basel, die spätern Porträts vor allem in England, doch auch zerstreut in den bedeutendsten europ. Sammlungen. Vgl. Woltmann, «H. und seine Zeito (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1873 —76).