FeedHuygheus (Christian)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Huygheus (Christian), lat. Hugenius, einer der Matker Forscher und Entdecker in den Gebieten der Mathematik, Physik und Astronomie, geb. 14. April 1629 im Haag, wo sein als Dichter bekannter Vater, Konstantin H., Herr von Zelem und Zuylichem (geb. im Haag 4. Sept. 1596, gest. 28. März 1687), Sekretär, Kabinettsrat und zuletzt Ratspräsident dreier aufeinander folgender Statthalter von Oranien (Friedrich Heinrich, Wilhelm II. und III.) war, erhielt durch diesen den ersten Unterricht und besuchte seit 1645 die Universität in Leiden, um sich der Rechtsgelehrsamkeit zu widmen. Bald aber wendete er sich der Mathematik zu. Nachdem er 1651 die vorgebliche Quadratur des Kreises, die Gregoire de Saint-Vincent angegeben, ründlich widerlegt hatte, ließ er noch in dmmelben Fahre seine eigene Quadratur des Kreises und der Hyperbel erscheinen. Hierauf machte er 1655 eine Reise nach Frankreich, wo er sich nebst seinem ältern Bruder Konstantin vorzüglich mit dem Schleifen und Polieren der Linsen zu den Fernrohren beschäftigte. Nachdem er 1656 seine Abhandlung „De ratiociniis in ludo aleaed, das erste wahrhaft wissenschaftliche Werk über die 8, machz eß keitsrechnung, hatte erscheinen lassen, machte er in den folgenden Jahren n Pari Reisen nach England und Frankreich. In Paris erhielt er durch den Minister Colbert einen ansehnlichen Gehalt und eine Wohnung in der königl. Bibliothek; auch wurde er Mitglied der Akademie. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes verließ er Paris und kehrte in sein Vaterland zurück, wo er fortan ganz den Wissenschaften lebte. H.' Entdeckungen erstrecken sich über beinahe alle Zweige der obengenannten Wissenschaften. Die Optik verdankt ihm die Verbesserung der Fernrohre; er verfertigte eine Anzahl derselben von ungewöhnlicher Größe und schenkte selbst der königl. Akademie in London zwei, deren eins 38 m und das andere 41 m Focallänge hatte. In seiner Abhandlung Von dem Lichto stellte er die Undulationstheorie des Lichts auf; auch gab er eine sinnreiche Erklärung der doppelten Brechung des Lichts im isländ. Krystall. Im J. 1655 entdeckte er den größten der sieben Satelliten des Saturn, dessen Umlaufszeit er berechnete, und nachher auch den frei schwebenden Ring, von welchem der Saturn umgeben ist. Um die Mathematik und Geometrie machte er sich verdient durch seine Komplanation der Konoide und Sphäroide, seine Methode, die Rektifikation der Kurven auf die Quadratur derselben zurückzuführen, durch seine Quadratur der Cissoide; ferner durch die Auffindung der wahren Gestalt der Kettenlinie, durch die Auffindung der Tautochrone, durch die Ersindung und Ausbildung der Theorie der Evoluten und durch die Propositionen über die Centrifugalkraft l derjenigen Körper, die sich in der Peripherie eines Kreises bewegen. Sein Hauptverdienst aber besteht in der zuerst von ihm vorgeschlagenen und ausgeführten Anbringung des Pendels an die Räderwerke der Uhren, wodurch diese einen sichern und gleichförmigen Gang erhielten. Er war es auch, der die Länge des einfachen Sekundenpendels als Normallängenmaß vorschlug und zugleich zeigte, daß die Länge dieses Pendels das einfachste Mittel ibt, den Weg zu bestimmen, welchen die auf der berfläche der Erde frei fallenden Körper in der ersten Sekunde zurücklegen. H. starb im Haag 8. 5915 1695. Seine Werke gab Gravesande (4 Bde., Leid. 1724; 2 Bde., Amsterd. 1728) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 488Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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