FeedAkt
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Akt (Aufzug) heißt in der dramatischen Kunst und Dichtung der feste Abschnitt der dramatischen Handlung, welcher auf der modernen Bühne durch das Fallen des Vorhangs bezeichnet wird. Da die dramatische Handlung wesentlich der Kampf und die Ausg stee Hotwendigt Gegensätze ist, so ist sie mit innerster Notwendigkeit dreiteilig: Schürzung, Verwickelung und Lösung des Knotens, oder, wie Aristoteles sich ausdrückt, Anfang, Mitte und Ende. Diese Dreiteiligkeit kann in kleinern Stücken mit kurzer, rasch verlaufender Handlung in einen A. zusammengedrängt werden (sog. Einakter), oder sie kann bei umfangreicher, vielverwickelter Handlung in mehrere A. zerlegt werden; immer aber muß sie als das feste bestimmende Grundgesetz deutlich wahrnehmbar sein. Die griech. Tragödie hat immer an drei A., die aber nicht durch das Fallen des Vorhangs, sondern durch das Eintreten der Chorlieder markiert wurden, festgehalten, und die span. Tragödie, die in ihrem Bau durchaus antikisierend ist, ist ihr gefolgt; die moderne Tragödie, namentlich der Engländer, been n en und Deutschen, hat auf Grund ihrer schärfern psychologischen Charakteristik diese drei A. auf fünf erweitert; die Schürzung fällt den beiden ersten A., der Höhepunkt und der Umschwung (Peripetie) der Handlung dem dritten A., die Lösung (Katastrophe) den beiden letzten A. zu. Ein Stück, das zwei oder vier oder sechs A. hat, ist fehlerhaft in der Komposition, denn es durchschneidet die Dreiteiligkeit. Wenn in neuerer Zeit zur Bequemlichkeit des Dekorationswechsels auf den meisten deutschen Bühnen der sog. Zwischenvorhang, d. h. das Fallenlassen des Vorhangs, auch ohne daß ein Aktschluß eintritt, eingeführt ist, so ist dies ein gewaltsames Zerhacken der Handlung, eine 4 Wnir. unkünstlerische Trübung der einheitlichen, festgegliederten Komposition des Dramas. Die Pause, welche in der Darstellung zwischen den einzelnen A. eintritt, pflegt man Zwischenakt zu nennen. — In der bildenden Kunst heißt A. die Stellung, welchem man einem nachzuzeichnenden lebenden Modell gibt, auch wohl die nach jenem Modell gefertigte Zeichnung selbst.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 299Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6