FeedAkupunktur
HeilkundeBrockhaus 1882

Akupunktur, abgeleitet von acus (Nadel) und punctura (Stich), heißt das Heilverfahren, bei welchem man durch Einstechen metallener Radeln in weiche Teile des Körpers lähmungsartige, krampfhafte, rheumatische Krankheiten u. s. w. zu heilen versucht. Die Erfindung der A. wird den Chinesen und Japanesen zugeschrieben, deren Arzte sie noch jetzt mit großer Geschicklichkeit ausführen, die sie sich durch Übungen an einem Phantom von Holz oder Pappe zu erwerben suchen. In Europa wurde die A. im 17. Jahrh. bekannt, aber gänzlich wieder vergessen, bis einige franz. Ärzte die Operation versuchten, anpriesen und Nachahmer fanden. Jetzt ist man zu einer gemäßigtern Anwendung des Mittels zurückgekehrt und hat dasselbe durch Verbindung mit der Elektrizität und dem Galvanismus (Elektro⸗ und Galvanopunktur) wesentlich in seiner Wirkung erhöht. Man sticht hierbei zwei Nadeln in passender Entfernung voneinander ein, verbindet je eine mit einem Pole eines stromerzeugenden Apparats und leitet somit den elektrischen Strom durch die zwischen beiden Nadeln gelegenen Teile. In dieser Weise hat man die Ä. zur Heilung von Puls⸗ und Blutadergeschwülsten, von Hodengeschwülsten, grauem Star u. s. w. benutzt. Die einfache A. wird in der Chirurgie vielfach angewandt, um beweglich geheilte Knochenbrüche (Pseudarthrosen) zur Bildung fester Knochenmasse anzuregen, um die bei Wassersuchten im Unterhautzellgewebe oder in gewissen Höhlen angesammelte Flüssigkeit zu entleeren, um heilsame Entzündungen anzuregen u. s. w. Auch zu diagnostischen Zwecken bedient man sich zuweilen der A., namentlich um zu entscheiden, ob in einer Geschwulst Eiter, Blut oder eine andere Flüssigkeit sitzt, ob an einer Stelle der Knochen entblößt oder wie tief er bereits zerstört ist (Akidopeirastik). Als eine wichtige Variation der einfachen A. kann eine in neuester Zeit vielfach empfohlene Art der Blutstillung betrachtet werden. Man sticht in einer gewissen Entfernung von der blutenden Arterie eine stärkere sog. Insektennadel senkrecht in die Weichteile ein, führt dieselbe unter dem Gefäße weg und sticht in derselben Entfernung auf der andern Seite wieder aus. Auf diese Weise wird das blutende Gefäß durch die Nadel gegen die umstochenen Weichteile angedrückt (Akupressur). Der sog. Baunscheidtismus endlich ist eine Verbindung der A. mit der 415 Kiurs sondet hautreizenden Flüssigkeit. Mittels eines dunn man zahlreiche Nadeln in die Haut und reibt ann die Stichwunden mit einem reizenden Ole ein, welches eine entzündung hervo ter als ein sehr kräftiger Hautreiz (s. d.) und wirkt lediglich als solcher.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 308Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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