FeedAnalhsis oder Analßse
Recht & StaatBrockhaus 1882

Analhsis oder Analßse, d. i. die Auflösung oder Zergliederung, nennt man in der Philosophie, im Gegensatze zur Synthesis (s. d.), diejenige logische Behandlung eines gegebenen Begriffs, vermöge tliandef wir ihn, um ihm seine vollständige Deutlichkeit zu geben, in seine Bestandteile, Merkmale auflösen. Ein Begriff, der durch A. eines andern, in dem er enthalten ist, gewonnen wird, heißt insofern analytischer Begriff. So heißt auch die Erklärung oder Folgerung, die durch Zergliederung eines gegebenen Begriffs gewonnen wird, analytische Erklärung oder Folgerung. Auf dieselbe Weise kann man auch ein Urteil oder einen Schluß obches . Ein analytisches Urteil ist ein solches, dessen Prädikat schon im Begriff des Subjekts liegt, folglich durch Zergliederung daraus gewonnen werden kann, während das synthetische oder erweiternde Urteil mit einem Subjekt ein Prädikat verknüpft, welches nicht schon in dem Subjekt liegt. So ist z. B. der Satz: Jeder Körper ist ausgedehnt, ein analytisches, der Satz: Dieser Körper ist elastisch, ein synthetisches Urteil. Diese Einteilung ist durch Kant in seiner „Kritik der reinen Vernunfto zu großer Bedeutung gelangt, nachdem im Altertum schon Stilpo aus Megara und im 18. Jahrh. David Hume auf diesen Unterschied der Urteile hingewiesen haben. Bei Beweisen, in welchen wir Schlüsse und Schlußreihen anwenden, überhaupt bei der Anordnung und Entwickelung eines größern wissenschaftlichen Ganzen, bezeichnet, nach einem von dem vorigen etwas abweichenden Sprachgebrauche, das Analytische, gleichbedeutend mit dem Regressiven, den Fortgang von dem Bedingten zu dem Bedingenden oder zu den Prinzipien, Wührend bei dem synthetischen Beweise der umgekehrte Gang stattfindet (regressus àa principiatis ad principia und progressus a principiis ad principiata). Man nennt dieses Verfahren in der Wissenschaft analytische Methode im Gegensatze zur synthetischen. Beide Richtungen ergänzen und kontrollieren sich gegenseitig. Das Merkmal einer vollkommenen, die wissenschaftliche Wahrheit verbürgenden Theorie ist ——— die Üübereinstimmung der durch A. und Synthese gewonnenen Resultate. Vgl. Apelt, Theorie der Induktion» (Opz. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 603Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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