FeedAndrässy
GeschichteBrockhaus 1882

Andrässy (Gyula Ima-Oprt Graf A. von Csik-Szent-Kiräly und Kraszna-Horka), ungar. Staatsmann, der mittlere von den drei Söhnen des Grafen Karl A., 8. März 1823 zu Zemplin geboren, wurde nach vollendeten Universitätsstudien und nach Reisen im Auslande von dem zempliner Komitat in den preßburger Reichstag von 1847—48 gewählt, und das neue ungar. Ministerium ernannte ihn zum Obergespan desselben Komitats. Als solcher war er Anführer des zempliner Landsturms im Kampfe gegen die kaiserl. Truppen bei Schwechat. Später wirkte er als Gesandter der debrecziner Regierung in Konstantinopel. Nach Unterdrückung der ungar. Revolution 1850 in contumaciam zum Tode durch den Strang verurteilt und in effigie gehängt, lebte A. dann als Flüchtling in Paris, wo er die Komtesse Katharina Kendefy heiratete. Durch die Verwendung seiner Mutter durfte er schon vor 1860 nach Ungarn zurückkehren. Von einem zempliner Wahlkreise 1861 in den ungar. Reichstag gewählt, schloß er sich hier der Deäkschen Partei an. Als unter Beusts Leitung die Reorganisation der österr. Monarchie auf Grundlage des Dualismus sowie die Bewilligung der ungar. Forderungen erfolgte, wurde A. 17. Febr. 1867 zum Ministerpräsidenten der ungar. Regierung ernannt und übernahm neben der Präsidentschaft das Ministerium der Landesverteidigung. Im Okt. 1867 begleitete er den Kaiser Franz Joseph nach Paris zur 4562 SEirztännt 1869 nach Agypten zur Eröffnung des Suezkanals und wurde, nachdem Graf Beust seine Wäniner des niedergelegt hatte, 14. Nov. 1871 zum Minister des Außern und des kaiserl. Hauses ernannt. War A. schon bei Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 — 71 für die strikte eutralität Osterreich-Ungarns eingetreten, so blieb die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zu Deutschland das Hauptziel seiner Thätigkeit als Minister und Gortschakow me „im Sept. 1872 teil an der in Berlin stattfindenden Drei-Kaiserzusammenkunft, begleitete 1874 den Kaiser Fiand Dosclt nach Petersburg, 1875 nach Venedig, woselbst Franz Joseph mit Viktor Emanuel zusammentraf, 1876 zur Entrevue mit dem Kaiser Alexander nach Reichstadt. Der Aufstand in der Herzegowina und Bosnien gab A. Anlaß zu einer Note an die Pforte bezüglich der flüchtigen Christen, welche 31. Jan. 1876 der Pforte überreicht wurde. Während der Kriege der Türkei mit Serbien und Montenegro und dann mit Rußland (1876—78) leitete A. die auswärtige Politik im Sinne der Aufrechterhaltung der Neutralität Osterreich-Ungarns. Erst der Vertrag von San-Stefano (1878) trübte das gute Verhältnis zu Rußland. A. erhielt von den Delegationen einen Kredit von 60 Mill. Fl. bewilligt und arbeitete dahin, daß der Friedensvertrag von San-Stefano einem europ. Kongresse unterbreitet wurde, der in Berlin zusammentrat (Juni 1878), und an welchem A. als erster Bevollmächtigter mit Calice und Haymerle teilnahm. Daselbst bewirkte A, daß Osterreich von den europG. Großmächten das Mandat zur Occupation von Bosnien und Herzegowina übertragen wurde, woselbst die kaiserl. Truppen im Juli einmarschierten. In der Besetzung von Novibazar fand die Occupationspolitikihre Fortsetzung. Am 22. Sept. 1879 trat A. von seinem Ministerposten zurück, nachdem er 4˙ 5 seiner ministeriellen Thätigkeit durch das mit Bismarck vereinbarte deutsch-österr. Defensivbündnis einen glänzenden Abschluß gegeben hatte. Er lebt seitdem der Bewirtschaftung seiner Güter, am polit. Leben als Mitied des ungar. Oberhauses, insbesondere als Deegierter Anteil nehmend. A.s Nachfolger als Minister des Außern und des kaiserl. Hauses war Freiherr von Haymerle (s. d.). Sein älterer Bruder, Graf Emanuel A., geb. 3. März 1821, gehörte auf dem Reichstage von 1847 der Opposition an und war dann unter dem ungar. Ministerium Obergespan von Torna, unternahm 1849 eine Reise nach Ostasien, die er auch beschrieben hat, wurde 1860 zum Obergespan von Zemplin ernannt, entsagte aber dieser Stellung nach Auflösung des Reichstags von 1861. Seit 1867 ist er Der Mrude des Komitats Gömör. — Der jüngste der Brüder, Graf Aladär A., geb. 16. Febr. 1827, focht in der Revolution tapfer an Bems Seite in Siebenbürgen, wurde 1865 Mitglied des ungar. Oberhauses und später Obergespan des Komitats Zemplin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 626Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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