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Haus & KücheBrockhaus 1882

Apperts Methode zur Konservierung von Fleisch und animalischen wie vegetabilischen Nahrungsmitteln überhaupt besteht wesentlich in betentet, w, Die Speisen, völlig zum Genusse zuereitet, werden in Weißblechbüchsen gefüllt, die Gefäße luftdicht verschlossen und dann in kochendem Salzwasser je nach ihrer Größe ½ — 4 Stunden lang etwas über 100 C. erhitzt, e man sie zur Aufbewahrung hinstellt. Dieses Verfahren wurde von Frangois Appert bereits 1804 ausgeübt und 1809 der Gesellschaft zur Ermunterung der Künste in Paris mitgeteilt, welche dasselbe durch eine Kommission prfen ließ. Hierbei wurde nachgewiesen, daß Ritu, 3 Fleisch mit Brühe, starke Fleischbrühe, tilch, Molken, grüne Erbsen, Bohnen, Kirschen, Aprikosen nach achtmonatlicher Aufbewahrung sich vollkommen gut erhalten hatten. Die franz. Regierung erteilte demzufolge dem Erfinder einen Preis von 12000 Frs. unter der Bedingung, daß er hah Methode ausführlich veröffentliche; dies geschah 1810 in einer Schrift: „Lart de conserver toutes les substances animales et végétales (5. Aufl., Par. 1834; deutsch, Prag 1844). In Einzelheiten ist das Verfahren von andern modifiziert worden, und besonders von Jones. Letzterer bringt nämlich die Büchsen, während sie in dem kochenden Bade stehen, mittels einer Metallröhre mit einem luftleeren Raume in Verbindung, wodurch die Luft aus den Büchsen aufgesaugt wird. Der angebliche Vorteil der so modifizierten Methode liegt darin, daß kein so starkes Kochen des Fleisches erforderlich ist, wodurch das Fleisch um so schmackhafter bleibt; mit der Die Haltbar der Kochdauer wird aber auch daß der die Haltbarkeit der Konserven gefährdet, sodaß der Wert des Jonesschen Verfahrens sehr problematisch erscheint. pätere Erfahrungen bestätigten aufs glänzendste den Wert der Appertschen Erfindung, welche für lange Seereisen und ähnliche Gele enheiten ebenso wichtig ist als für den gewöhnlichen Haushalt, wo der Verbrauch der Fleischkonserven bereits außerordentliche Dimensionen angenommen hat. Die Wirkung des Appertschen Verfahrens beruht Aer Heime v auf der vollständigen Vernichtung aller Keime von Gärungs⸗ und Fäulniserregern, da diese lebenden Wesen, Bakterien und ähnliche Organismen, allein die Fäulnis einzuleiten vermögen. Ehe man dies erkannt hatte, hielt man den Sauerstoff der Der Womirver Luft als die Ursache des Verderbens der Konserven und glaubte durch anhaltendes Kochen den Sauerstoff durch Einwirkung auf die organische Substanz in Kohlensäure verwandeln zu können, eine durchaus falsche Ansicht. Da aber die Fäulnisbakterien zum Teil erst nach längerm Kochen getötet werden, und da es bei großen Massen von zu konservierendem Material lange Zeit dauert, bis alles gleichmäßig erhitzt wird, so ist eine dauernde Erhitzung dringend geboten, wenn man sein Ziel sicher erreichen will. Appetit. Unter A. versteht man einerseits den mäßigen Grad des Hungers, die Eßlust; andererseits und richtiger das Gefühl, welches uns den Genuß eines bestimmten Stoffs wünschenswert macht. Als bloße Eßlust ist der A. ganz allgemein auf alles Eßbare überhaupt gerichtet, während er in dem andern Sinne mehr als ein Gelüst auftritt, welches sich auf Dinge richtet, die den Geschmacksnerven angenehm sind, daher er sich oft gerade dann am eigentümlichsten entwickelt, wenn der Hunger und die eigentliche Eßlust gestillt sind. Häufig bekommt man nach zu reichlicher Mahlzeit nach sehr fetten, süßen, weichlichen Speisen A. nac Stoffen von sehr ausgesprochenem Ges chmacke, nach sauern, bittern, salzigen, gewürzigen Dingen, welche auch wirklich nützlich sein können, insofern sie durch Reizung der Magenschleimhaut die Absonderung des Magensaftes und damit die Verdauung befördern. Letzteres wird jedoch nur dann der Fall sein, wenn der Magen im übrigen gesund ist. Liegt aber dem Der einon nach dem Essen eine Magenkrankheit oder ein sonstiges Leiden zu Grunde, so können dabei Reizmittel nichts nützen, wohl aber schaden. Dies 60 en dege ganz allgemein von den A. oder Gellsten der Kranken (wie auch der Schwangern), denen nur selten ein wirkliches physiol. Bedürfnis zu Grunde liegt. Ferner können krankhafte Zustände des Nervensystems seltsamen A. ohne eigentliches physiol. Bedürfnis verursachen. Ein sehr gewöhnliches Leiden ist die Appetitlosigkeit. Fast alle Krankheiten führen eine Verringerung der Eßlust herbei oder vernichten sie ganz, allerdings meist dadurch, daß sie die Verdauungsorgane in Mitleidenschaft ziehen, oft aber ohne Affektion dieser Organe, lediglich unter Vermittelung des Nervensystems. Schon Gemütsbewegungen, Gram, Schreck, Furcht, Arger verscheuchen den A. Ist aber wirklich eine Magenkrankheit vorhanden, so steht dieselbe oft in gar keinem Verhältnisse zur Störung des A. Sehr ag Magenleiden bestehen ft bei sehr gutem A., ganz leichte Affektionen desselben vernichten ihn bisweilen gänzlich. Ebenso wenig läßt sich aus der Art des A. auf die Art der Magenkrankheit schließen. Hat man sen den Magen durch zu vieles oder zu schweres Essen verdorben, so lasse man sich nicht durch seinen A. nach dem oder jenem dazu verleiten, den schon kranken Magen durch reizende Substanzen noch mehr anzugreifen; vielmehr ist hier nur die strengste Diät zu empfehlen. Leidet man dagegen an dauernder Appetitlosigkeit, so befrage man einen Arzt, damit man womöglich den Grund der Störung erfahre; danach wird es sich richten, ob man u gelinden Reizmitteln greifen darf oder nicht. Magenstärkende Mittel gibt es nicht; nur solche Mittel sind zu nehmen, welche wegen ihrer chem. Ahnlichkeit mit dem verdauenden Magensafte die Verdauung selbst unterstützen, und solche, welche die Thätigkeit des Magens vorübergehend anregen können.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 780Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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