Aräometer (grch.), hydrostatische Wagen oder Senkwagen, heißen Instrumente, welche zur Ausmittelung der Dichtheit, also auch des spezifischen Gewichts der Körper, dienen. Ihre Konstruktion beruht auf dem hydrostatischen Gesetze, daß ein jeder feste Körper, der auf einer Flüssigkeit schwimmt, so tief in dieselbe einsinkt, daß ein dem eingesunkenen Teile gleiches Volumen der Flüssigkeit ebenso viel .—— als der ganze schwimmende Körper. Wenn daher ein Körper in Flüssigkeiten von verschiedenen Dichten oder verschiedenen spezifischen Gewichten bis zu dem nämlichen Punkte einsinken sl so muß man sein Gewicht in dem Maße künstlich vergrößern, als die Dichte der Flüssigkeit zunimmt. Umgekehrt wird ein Körper, dessen Gewicht unverändert bleibt, desto tiefer in eine Flüssigkeit einsinken, je A nach die Dichte derselben ist. Je nachdem die A. nach dem einen oder andern dieser beiden Sätze konstruiert sind, unterscheidet man zwei Hauptklassen, nämlich Gewichts-Aräometer (Gravimeter) und Skalen-Aräometer. Die Gewichts-Aräometer beruhen auf dem ersten der obigen Sätze. Diese Instrumente sind meist aus Messingblech als Hohlkörper angefertigt, und zwar in etwas verschiedenen Formen je nach den verschiedenen Systemen von Fahrenheit, Tralles, Nicholson oder Mohs und andere; stets müssen sie mit Schälchen zur Aufnahme von Gewichtchen und kleiner Körper versehen sein. Das Nicholsonsche Gewichts-Aräometer (Fig. 1) besteht aus einem hohlen, konisch geschlossenen Me singeylinder B, welcher überdies unten einen Wa siven halben Messingkegel Cso trägt, daß man auf der Basis des letztern einen kleinen zu untersuchenden Körper m auflegen kann. Oben besitzt das Instrument ein dünnes Metallstäbchen o und ein Tellerchen A, welches zur Aufnahme von ——.5 chen und eines zu wägenden festen Körperchens bestimmt ist. Mit einem solchen Gewichts-Aräometer kann man sowohl das absolute Gewicht eines kleinen Dat Körpers, als dessen Dichte und auch die Dichte verschiedener Flüssigkeiten bestimmen. Derartige Instrumente sind kom⸗ 55 pendiös und eignen sich daher für I reisende Mineralogen zu Dichtenbestimmungen der von ihnen gefundenen Mineralien. Die Gewichts-Aräometer werden meist nur zur Ermittelung des oaischen Gewichts von festen Kör pern benutzt, von denen man ein entsprechendes Stückchen meeinmal auf den Teller des Instruments und dann wieder in einen unten an das Instrument angehängten Halbkegel (Schälchen, Körbchen u. dgl.) legt, sodaß er ringsum von Wasser umgeben ist und jedesmal so viel Gewichte au Ma daß ein Eintauchen bis zur Marke erzielt wird. Eine kleine, V. dem Archimedischen Prinzip (s. d.) beruhende Rechnung führt zur Bestimmung der 9 Dichte, mithin auch des spezifi⸗ Lane n schen Gewichts des Körpers. Bei der Bestimmung der Dichten von — keiten mittels des Gewichts-Aräometers muß auch noch das absolute Gewicht des Instruments in die Rechnung einbezogen werden. Die Skalen-Aräometer (Fig. 2) bestehen aus einer mit einer Skala B0 versehenen Glasröhre, welche unten durch eine mit Quecksilber oder Blei gefüllte Kugel oder ✕ auf eine andere Weise beschwert ist. Die Gradeinteilung am Halse ist eine sehr verschiedene. Man unterscheidet in dieser Beziehung vier Typen von Skalen-Aräometern: Volumeter, Dichtenmesser, Prozent-Aräo-X meter und A. mit willkürlicher Skala. Von den Volumetern empfiehlt sich am meisten die 100teilige Skala von Gay-Lussac. Solche Volumeter, welche für verschiedene Flüssigkeiten brauchbar sind, geben die Dichte einer ö Flüssigkeit, wenn man die Zahl des Teilstrichs, bis zu welchem das Instrument ein⸗„ sinkt, in 100 dividiert. A., deren Skala die Dichten der Flüssigkeiten direkt abzulesen geschwiert heißen Dichtenmesser; sie sind chwierig anzufertigen. Im praktischen Leben verwendet man meist die Prozent-Aräometer, welche nicht die Dichte, sondern die Mischungsverhältnisse in Volum⸗ oder Gewichtsprozenten anzeigen. Hierher gehören die zur Bestimmung des Alkoholgehalts in Branntwein, Sprit u. dgl. dienenden Alko⸗ Jig 2 —— (s.d.), deren Skalen 110 den Vorchriften von Tralles und Gay-Lussac konstruiert sind und an denen man unmittelbar ablesen kann, wie viel Volumenprozente Alkohol sich in einer Flüssigkeit befinden. Nach Tralles wird in Deutschland und nach Gay-Lussac in Frankreich der Alkoholgehalt des der Besteuerung unterworfenen Branntweins bestimmt. Ahnliche Vorrichtungen, die aber zum Teil noch großer Vervollkommnung bedürfen, sind die Weinwage (Onometer), die Salzspindel oder Solwage zur Prüfung des Salzgehalts der Sole, die Mostwage oder Gleukometer, das Saccharometer zur Bestimmung des Zuckergehalts einer Flüssigkeit, das Galaktometer oder der Milchmesser u. s. w. Ein Prozent-Aräometer ist jedoch immer nur für eine einzige Flüssigkeit brauchbar. Eine Salzspindel z. B. . unbrauchbar für Zuckerlösungen, und ein Alkoholometer kann nur für Gemische von Wasser und Weingeist gebraucht werden. Da die Temperatur eine Veränderung in der Dichte der zu prüfenden Flassihreiten bewirkt, so ist eine Korrektion nötig, welche man mittels besonderer, für diesen Zweck Altoholom Tafeln bewerkstelligt. Für das deutsche Alkoholometer gilt die Normaltemperatur von 12 ½ R., für das österreichische 12· R. Um leicht die jedesmalige Temperatur der Flüssigkeit finden zu können, wird oft am A. selbst ein Thermometer angebracht. Die A. mit willkürlicher Skala sind nach willkürlichen Gründen konstruiert; sie haben keinen Eden mach ven Wert, sind Lekam im praktischen Leben noch verwendet. Die bekanntesten A. dieser Art sind von Beaume, Cartier, Beck. Das Becksche ist verhältnismäßig noch das beste. Die A. dienen chlich zur Bestimmung der Dichte (ehedem fälschlich spezifisches Gewicht genannt), aus welcher man leicht das spezifische Gewicht berechnet, indem man die gefundene iht. des 20. mit der Zahl für das spezifische Gewicht des Wassers multipliziert. Im metrischen Systeme ist, für das Volumen von 1 cem als Volumeneinheit, 1 g das spezifische Gewicht des Wassers, mithin erhält man aus den unbenannten Dichtenzahlen die Zahlen der spezifischen Gewichte, wenn man jene mit Gramm benennt. Vgl. Meißner, Die Aräometrier (2 Bde., Nürnb. 1816).