FeedArezzo (Arretium)
ErdkundeBrockhaus 1882

Arezzo (Arretium), die Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz (3300 qEm mit [1876! 236 003 E.), in einem fruchtbaren Thale, am Ab-Zuan eines Hügels, in 471 m Höhe, 9 km vom usammenflusse der Chiana mit dem Arno und an der Eisenbahn Florenz-Rom gelegen, ist eine der ältesten Städte Toscanas und eine der 12 Hauptstädte der alten Etrusker, die alle etrusk. Städte in Thonarbeit und Bronzeguß übertraf. Sulla vertrieb im ersten röm. Bürgerkriege die Bewohner und bevölkerte den Ort mit seinen Anhängern. In den Kriegen der Ghibellinen und Guelfen war N vorherrschend ghibellinisch gesinnt und in steter Feindschaft mit den Florentinern, von denen die Aretiner in der Schlacht bei Camaldino 1289, an der auch Dante teilnahm, entscheidend geschlagen wurden. Im 14. Jahrh. war die Stadt vorübergehend unter der Herrschaft der Tarlati und kam im 16. Jahrh. unter Großherzog Cosimo I. an Toscana. A. zählt als Kommune (1880) 39 109 E., während die 5 km im Umfang haltenden Ringmauern und die zahlreichen Kirchen, die ihr von weitem ein sehr stattliches Ansehen geben, auf eine Zeit deuten, wo die Stadt von 300000 Seelen bevölkert war. Unter den zahlreichen Plätzen verdient Erwähnung die Piazza-Grande oder Ferdinanda mit einer Kolonnade, einer Loggia mit einer die an got. FJagade, und der Pieve, einer Kirche, ie auf den Fundamenten eines heidnischen Tempels erbaut ist. Der Dom aus dem 13. Jahrh., wie fast alle andern en Pw mit unvollendeter Fagade, auf dem höchsten Punkte der Stadt, Mateinen prachtvollen, von Giovanni Pisano in Marmor gearbeiteten Hochaltar und einige wertvolle Gemälde der ältern toscan. Malerschule. A. ist der Sitz eines Präfekten und eines Bischofs, besitzt 15 Pfarrkirchen, eine berühmte Akademie der Wissenschaften, eine Bibliothek, ein diplomatisches Ariv, ein Antikenmuseum, eine Gemäldesammlung, einige Privatmuseen, ein Gymnasium, ein Hospital und viele Klöster. Die Stadt hat breite, gutgepflasterte Straßen, ansehnliche Gebäude und vortreffliches Wasser, herrliches Klima und guten Wein. Die ehemals bedeutende Industrie 0 gesunken; man fabriziert Seidenstoffe, Tuche, hat Färbereien und Weißgerberei. Mäcenas, Petrarca, Pietro Aretino, Guido von A., der Erfinder der Noten, Lionardo von A., der Historiker, Cesalpini, der Botaniker, Redi, der Arzt und Humorist, Papst ulius II., der Marschall d'Ancre, Vasari, der aler und Biograph der Künstler, u. a. haben A. zur Vaterstadt. Vgl. Sezanne, „A. illustrata (Flor. 1859).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 866Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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