FeedAuffütterung der Kinder
Haus & KücheBrockhaus 1882

Auffütterung der Kinder, die Ernährung der Neugeborenen ohne Mutter⸗ oder Ammenmilch. Am zweckmäßigsten geschieht die Auffütterung mit guter, abgekochter Kuhmilch, die m. zuvor wegen ihres Mehrgehalts an gerinnbarem, ann klumpig und schwerverdaulich werdendem Käsestoff mit abgekochtem Wasser, unter Umständen mit Fenchelthee, Haferschleim oder Arrowroot-Abkochung zu verdünnen, sowie wegen ihres me Messerpize an Zucker durch Milchzucker (etwa eine Messerspitze auf jede Mahlzeit) zu versüßen ist. Die Verdünnung der Milch richtet sich nach dem Alter des Kindes: in den ersten Wochen reicht man 1 Teil Milch und 3 Teile Wasser, bis Ende des dritten Monats 1 Teil Milch und 2 Teile Wasser, von da ab gleiche Teile; vom fünften bis sechsten Monat an gibt man die Milch unverdünnt. Um der Säuerung vorzubeugen, ist, umal im Sommer, der Zusatz von doppeltkoh-Lemaurem Natron sehr Bentenung d ganz besonders aber ist in dieser Beziehung die sorgsamste Reinigung aller mit der Milch in Berührung kommenden Gefäße und Gegenstände 14en Al lich erforderlich. Die Menge der nötigen uch Lapt sich nicht leicht bestimmen; anfangs genügt eine Tasse auf die Mahlzeit, später rechnet man auf den ganzen Tag etwa 1 1. Endlich reicht man die Flasche nicht öster als alle zwei bis drei Stunden, weil nach häufigerm Tränken leicht Verdauungsstörungen, selbit Magenkatarrhe eintreten. Kann man, wie dies in den größern Städten nur zu häufig der Fall ist, gute und unverfälschte Milch nicht erhalten, so ist man genötigt, die verschiedensten Ersatzmittel zu versuchen. Gute Dienste leistet vielfach die kondensierte Milch, d. i. mit Ro rzucker zur Konservierung versetzte, durch 1½ eizung im luftverdünnten Raume eingedickte Ku milch, die vor dem Gebrauche mit 6—10 Teilen asser vermischt wird. Freilich ruft sie durch ihren reichlichen Gehalt an Zucker, der im Darmkanal in Milchsäure übergeht, bei or, 5. Kindern leicht Verdauungsstörungen hervor, sodaß man in diesem Falle zur Verdünnung Hafer⸗ oder Gerstenschleim benutzen und auch absorbierende Mittel, wie präparierte Austernschalen u. s. w., hinzusetzen muß. Auch das Biedertsche Rahmgemenge (U süßen Rahm mit ¾¼ 1 Wasser und 15 g Milchzucker 10 werß erweist sich öfters nützlich. Liebig versuchte in seiner Kindersuppe (vgl. Liebig, (Suppe für Säuglinger, 3. Aufl., Brauns chw. 1877) die in der Milch enthaltenen plastischen und respiratorischen, d. h. Blut und Wärme bildenden Stoffe durch Weizenmehl zu ersetzen, welches durch Dalte von Gerstenmalz in höherer Temperatur in extrin und Zucker übergeführt ist, wodurch dem Säugling eine Arbeit erspart wird, die er, streng Mundfveis noch gar nicht leisten kann, da der undspeichel erst mit dem Hervorbrechen der Schneidezähne das Vermögen erhält, Stärkemehl in Zucker zu verwandeln. Im allgemeinen wird die Liebigsche Suppe von den meisten, einige Monate alten Säuglingen gut ertragen, während sie bei Neugeborenen nicht selten Darmkatarrhe erzeugt. Dasselbe gilt von der sog. Löflundschen und Liebeschen Kindernahrung, die im wesentlichen Liebigsche Suppe in der Form des Extrakts darstellen. Ein vortreffliches Surrogat endlich ist das Nestlesche Kindermehl (vgl. Nestlé, «über die Ernährung der Kindero, Vevey 1869), in welchem Weizenstärke durch überhitzten Wasserdampf bei hohem Atmosphärendruck in Dextrin und Zucker übergeführt und darauf mit einer genügenden Menge von 25 eich und Milch versetzt ist. Es stellt ein feines, gelbliches Pulver von füßem, zwiebackähnlichem Geschmacke dar, welches man vor dem Gebrauche mit 810 Teilen Wasser aufkocht; nur selten erregt es Verdauungsstörungen, wird von den äuter⸗ Kindern gern genommen und verdient für ältere Säuglinge nächst der — am meisten Reslesche Nach ähnlichen Prinzipien wie das Nestlesche Präparat sind die Kindermehle von Faust und Schuster, Frerichs, Gerber u. a. zusammengesetzt. Im allgemeinen ist die Auffütterung der Kinder mit vielen Schwierigkeiten verknüpft und erfordert in jedem einzelnen Falle außer der größten Sorgfalt ein feines Individualisieren, da man nur zu häufig genötigt ist, mit den verschiedenen Ersatzmitteln der Frauenmilch zu 18 Henn „ unterstützt muß sie werden durch die größte Reinlichkeit, durch tägliches Baden, fotgu und reine Luft und die gewissenhafte Beolgung aller jener hygieinischen Grundsätze, welche für die gedeihliche Entwickelung des Kindes in Betracht kommen. (S. Kind. urch die Erfahrun ist zwar hinreichend erwiesen, daß auch nst ich aufgezogene Kinder sich ebenso kräftig entwickeln können wie an der Brust gestillte, allein wo es an dem nötigen Verständnis der erforderlichen Sorgfalt und Mühe gebricht, kommt es 4. 6 zu Erkrankungen des Darms, zu Blutarmut — Krankheit, Skrofulose u. s. w., sodaß in dieser 2 das ganze Leben des Kindes so hochwichtigen Frage die n folle. ärztlichen Rates nie verab-Vgl. Fürst, «Die künstliche Ernährung des Kindesv (Lpz. 1870); Ammon, «„Die ersten Mutterp 18 und die erste Kindespflege (24. Aufl., z. 1881); Biedert, Die Kinderernährung im äuglingsalter o (Stuttg. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 185Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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