FeedBaumwolle
PflanzenreichBrockhaus 1882

Baumwolle (frz. coton, engl. cotton) ist der aumartige, faserige Stoff, welcher die Samenörner der Baumwoll taude einhüllt. Die Pflanzengattung, welche die B. hervorbringt, die Baumwollstaude (Gossypium L.) 19 . in die Familie der Malvaceen. Ihre Arten sin teils Sträucher, teils ausdauernde o er häufig nur einjährige Kräuter, welche ursprünglich sich wild nur im tropischen Asien und Afrika finden jetzt aber in den wärmern Ländern der ganzen Erbe in Menge angebaut werden. Sie haben alle drei⸗ bis fünflappige, in ihrer ühern und frühesten Periode oft mit 6 warzen unkten bestreute Blätter und ziemlich große, meist welche einzeln in den Blattwinkeln stehen und am Grunde mit drei großen, herzförmigen, eingeschnittenezähnten, verwachsenen Hüllblättern umgeben sind. ie Frucht ist drei⸗ bis fünffächerig, s bei der Reife in drei bis fünf Klappen —— und enthält mehrere Samen, in eine lange, dichte, meist weiße und nach dem Aufspringen elastisch hervorquellende Wolle eingehüllt, deren einzelne Haare in der Oberaut der Körner wurzeln. In den verschiedenen ändern werden jetzt auch verschiedene Arten von B. angepflanzt, die sich überdies durch eine mehr als e Kultur in mancherlei Abarten Muttel aben. In den echisch Küstenländern des ittelländischen und Griechi chen Meers baut man fast nur die einjährige krautartige Baumwollstaude (G. herbaceum L.), welche im Orient und Agypten einheimisch ist und dort schon seit den ältesten Zeiten kultiviert wird. Dieselbe findet — auch in Deutschland, trägt jedoch nur in Gewä shäusern oder Treibkästen Blüten und reife Früchte. Eigentümliche Varietäten dieser Art werden im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas, in West-Merth und Südamerika angepflanzt. In Peru und iko fanden schon die ** tdecker Baumwolpfla .. en wie O umter anenn vor. In Ostindien u China wird unter andern 0 eine be-Samemo aus — In Westi inden Daum wan sum JL.), häufig an anzt, die um umwollpflanze, welche beide strau 0 punctatum 8 ten, dem wärmern Amerila —13 dem Innern Afrikas ist B. eins der wichtigsten, ja bisweilen das ausschließliche rodukt. Zur Kultur der B. w ählt man einen ern, leichten, * Sand genuschten schon angebauten Boden. Nur bdt um gute B. zu erhalten, das Klima nicht zu trocken sein, weil sonst beim Mangel an Regen die Wolle kurz bleibt. Daher liefert das nördl. Indien keine oder nur wenig brauchbare B., während die südl. Halbinsel Indiens ein brauchbares rodukt in E* adinns S. unter Baumwollindustrie.) Neuerdings t auch in Australien die Baumwollkultur ziemich bedeutende haben luß gemacht und die dort erzeugten Sorten ha HJuso 0 zum Teil als ganz ausezei atei euwieben. Infolge der durch den usfuhr 1* rieg . B5 hemmten Produktion und Ausfuhr der dortige sind tudin findi gemacht worden, die Tummpilhultm in O tindien und oun. bere eit. Auch die Verarbeitung chinesischer B. in europ. Fabriken ist durch diese Krisis veranlaßt worden. Die Merkmale 6e guten B. bestehen darin, daß die Wolle weiß, 2—— seidenartig, fest, In der Heilkunde dient die B. und die aus ihr bereitete Watte als cls Reuber wärmender Stoff und neuerdings mehr als früher auch als Verbandmittel bei Wunden. In letzterer somi 5 haben die Spitaler zu P der letzten Kriege sowie der großen Spitäler zu dande Berlin u. s. w. sie zu einer Nebeuhuhlertn der leinenen Charpie gemacht. Auch verwendet man sie zur ½u der Moxa (s. d.). Außerdem gebraucht man die . 59, e (. d.) zur Bereitung des Kollodium (s * Baumwollindustrie. I. Technisch. Die Baumsrrie, ist das wichtigste Rohmaterial der Textilindustrie, dessen Verarbeitung einen der interessantesten Eumaihen Prozesse darstellt. Schon während des ammelns wird die Baumwolle sortiert, indem alle unreifen und verdorbenen Teile ausgesondert werden; das zurückbehaltene Material wird an der Luft getrocknet und sodann am Gewinnungsorte selbst der ersten durch aschinen ausgeführten Operation, der des Egrenierens, unterworfen, durch welche die Trennung der Fasern von den Samenkörnern und den noch anhängenden Kapseln bewirkt wird. Von den zu dieser Arbeit verwendeten Maschinen sind, abgesehen von den ältern, teilweise sehr bemerkend KRon ionen, namentlich zwei Systeme emerkenswert, das der Säge⸗ und das der Kamm-Egreniermaschine. Die Säge-Egreniermaschine (J. Tafel: Baumwollindustrie, Fig. 1) hat als hauptsächlich wirkenden Bestandteil den in der Abbildung mit a bezeichneten Cylinder, der abwechselnd aus Kreissägen und aus hötzernen Scheiben zusammengesetzt ist, welch letztere die Sägen in einer Entfernung von 18 mm auseinanderhalten und, da ihr Durchmesser kleiner als der der Sägeblätter ist, die —— derselben hervortreten lassen. dem gecylinder ist ein aus gebogenen flachen Eisenie Zat bestehender Rost oα derart angebracht, daß e Zähne der Sägen durch die engen Zwischenräume der Stäbe hindurchgreifen. Dieser Rost ist einerseits bei o um die rniere drehbar befestigt andererseits bei d durch die Stellschrauben e na Belieben höher oder tiefer zu stellen, je nachdem die Zähne mehr oder weniger hervorteeten sollen. Auf denselben wird die zu egrenierende Baumwolle geschüttet; die Zähne des rotierenden Sägecylinders erfassen die Fasern und ziehen sie durh den Rost hindurch, und da die Körner nicht folgen können, wird die Wolle von ihnen abgerissen. Hinter dem Sägecylinder ist die mit Haarbüscheln dicht besetzte Bürstenwalze b gelagert, welche dazu dient, die an den Zähnen der Säge sitzende Baumwolle abzustreifen und in der —— der Pfeile 2, 3 über die Platte t aus der Maschine fortzuführen, während die von den Fasern abgelösten Körner durch den Schlitz bei k über die II⁷ d zur Erde fallen. Die durch eine Art —37 ewand getrennten Räume unterhalb der beiden Walzen dienen zur Aufnahme der Schmutz- und Staubteile, die, ½ als die Baumwolle, durch die Centrifugalkraft dasc unten geschleudert werden. Eine derartige 1 ine mit 80 Sägeblättern auf dem Cylinder liefert, durch Dampf betrieben, in zehn Stunden etwa 625—675 kg von etwa 2500 kg Rohmaterial; da sie aber die Fasern u sehr angreift, wird sie nur bei geringern, kurzsaserigen Sorten angewendet. Weit mehr wird die Faser durch die (auf Tafel: Baumwollindustrie, Fig. 2 im Vertikalschnitt dargestellte) Kamm-Egreniermabutasr geschont, deren Konstruktion und Wirngsweise aus Folgendem +½. ist. In Fig. 2 am Walt A eine mit weichem Büffelleder Bieits wot alze, welche in der Richtung des Pfeils rotiert, hierbei die Fasern der ihr zugeführten Baumwolle erfaßt und mit sich führt, waährend das ihrem Umfange mö — 3 nahe gestellte Messer a die Samenkörner zurückhält, welche durch zwei sich bn auf⸗ und niederschwingende Messer bb von en Faserbüscheln abgerissen werden, um zwischen den Stäben des Rostes i unten ber e ufallen; die Messer bb' sitzen an den Enden der Hebel o und er925.7 ihre Bewegung von einer im untern Teile es Maschinengestells gelagerten Welle aus mittels zweier Excenter und der Excenterstangen dd'. Die rohe Wolle wird auf einem Lattentuch ausgebreitet, welches über zwei Spannwalzen r gelegt ist und durch diese eine fortschreitende Bewegung erhält; sie geht unter der Riffelwalze h durch und wird von einer Stachelwalzers in den Trog H geworfen, um endlich durch den s chwingenden Kamm J 5.1,Mn gegen die H eschoben zu werden. schnell rotierende Wa walze Gentfernt die egrenierte Wolle von der Walze A und läßt sie in die zu ihrer Aufnahme bestimmten Behälter allen. Auf derselben Idee, wie sie der eben bechriebenen Konstruktion zu Grunde liegt basiert auch die neuere von Platt Brothers u. Eomp. in Oldham gebaute Maschine, die, mit mannigfachen Anderungen und Verbesserungen versehen, eine Leistung von 60—100 kg gereinigter Baumwolle in der Stunde ergibt. Das so gewonnene Produkt bildet, mittels 0 draulischer Pressen zu Ballen von durchschnittlich 200 kg Gewicht zusammengepreßt, einen der bedeutendsten Handelsartikel der Welt. Die Baumwolle hat entweder eine rein weiße Farbe, oder sie ist weiß mit einem Stich ins Gelbe, Blaue, Rote oder Graue; nur die sog. Nanking-Baumwolle, aus 446970 der echte Nanking erzeugt wird, hat eine stark gelbbraune Färbung. Die Gedrehte Rohuch sind plattgedrückte, Tangeandio gedrehte Röhrchen von 13—36 mm änge und 0,011 — 0,o42 mm äußerm Durchmesser und bestehen fast nur aus reiner Cellulose. Die Güte einer Baumwollsorte wird durch Länge und Feinheit, Glanz und 91½ sowie durch Festigkeit und Clasticität der Fasern bedingt. Im Handel unterscheidet man nach dem Orte des Wachstums sieben Arten. 1) Nordamerikanische Baumwolle: Sea-Island oder lange Georgia, die geschätzteste aller Baumwollsorten; Louisiana, Alabama, Florida, kurze Georgia, Tennessee. 2) Südamerikanische Baumwolle. a) Brasilianische: urinam, Demerara, Berbice, Cayenne; e) Columbische: Varinas, Barcelona, Cartagena; d) Peruanische: Lima und Payta. 3) Mittelamerikanische Baumwolle. Westindische: Haiti, Portorico, Gugyanilla, Cuba. 4) Ostindische Baumwolle: Surate, Dendal Broach, Dhollerah, Manilla, Singapore, Bengal, Madras. 5) Levantinische Baumwolle: Macedonische, Smyrna, Leväntinische im engern Sinne. 6) Afrikanische Baum wolle: Bourbon, Senegal, Agyytische. 7), Europäische Baumwolle. Spanische: Mo-Lanise talienische: Castellamare, Biancavilla, Siciianische. Um die in stark gepreßtem Zustande in den Handel kommende Baumwolle zu Garn verarbeiten zu können, muß dieselbe zunächst aufgelockert und von allen noch anhaftenden Unreinigkeiten befreit werden. Zu den diese Arbeit verrichtenden Maschinen ehört der auf Tafel: Baumwollindustrie in Fig.3 dargestellte Klopfwolf oder Whipper, bei welchem innerhalb eines hölzernen Gehäuses zwei mit Schlagarmen versehene, horizontale Wellen in schneller Umdrehung sich befinden. Die Schlagarme sind so gestellt, daß diejenigen der einen Welle zwischen denen der andern Welle hindurchgehen; den Zwischenräumen beider entsprechen außer dem im Innern des Gehäuses in zwei Reihen angeordnete feststehende Stäbe. Wird nun die Baumwolle mittels eines endlosen Lattentuchs und zweier Speisewalzen in das Innere des Gehäuses geführt, so erfolgt eine energische Auflockerung derselben, indem die oft bis zu einer an die Beschaffenheit des Holzes erinnernden Dichtheit komprimierten Wollaufen zerschlagen und so in kleinere Büschel verwandelt werden. Fig. 4 . Dfer Auflockerungsmaschine anderer Art, den sog. offner (opener), bei welchem die Bearbeitung der Baumwolle durch vier mit daumeln erroat⸗ Erhöhungen (Zähnen) versehene Trommeln erfolgt, die die Baumwolle von einem Zufühfeststehende Reihe ähnlicher Zähne werfen; unterhalb dieser Schlagtrommeln ist ein aus dünnen Eisenstäben zusammengesetzter Rost angebracht, durch welchen alle fremdartigen Körper (San Laub, amenkörner) hindurchfallen. Die auf solche Weise bereit Va und von groben Verunreinigungen befreite Baumwolle passiert hierauf noch Ero mit feinmaschigem Drahtgewebe überzogene hTrommeln, aus deren Innerm durch einen Venti⸗ „lator die Luft abgesaugt wird. Indem sich die Baumewolle an den Umfang dieser Siebe anlegt, wird sie durch die durchdringende Luft von den feinsten Staubteilen sowie von den allzu kurzen Härchen befreit. eBaumwollspinnerei, deren Wirkung der der oben „beschriebenen ähnlich, ist die Schlagmaschine, die 55 weitern Erten Wan der von dem Whipper oder tu gelockerten Baumwolle dient und deren Einrichtung eerhn .5, 6 u. 7auf Tafel: Baumwollosindustrie er ichilich ist. Die Baumwolle wird hier, tauf einem Lattentuche ausgebreitet, durch ein Paar Riffelwalzen dem im Innern des Gehäuses a (Fig. 5) frotierenden Schlagflügel zugeführt, der aus zwei oder drei Stahlschienen besteht, welche durch meh⸗ „rere Armkreuze mit einer in schneller Umdrehung „befindlichen Welle in Verbindung stehen; die Schie⸗ „nen sollen auf die zwischen den Speisewalzen hervortretende Wolle in rascher Aufeinanderfolge schlagend wirken und so die noch vorhandenen 5 868 weisen Winderzient auflösen. Unterhalb des Schlagcylinders ist ein Rost angebracht, durch dessen Spalten die gröbern Unreinigkeiten entweichen. Die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 590Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6