FeedBel (Matthias)
ErdkundeBrockhaus 1882

Bel (Matthias), einer der bedeutendsten ungar. Geschichtschreiber, geb. 24. März 1684 zu Ocsova im Komitat Sohl, studierte in Halle und erhielt daselbst eine Lehrerstelle am Waisenhause. Er kam 1714 als evang. Prediger nach Neusohl und von da 1719 als Rektor des evang. Lyceums nach Preßburg, wo er bis zu seinem 29. Aug. 1749 erfolgten Tode wirkte. Seine Hauptwerke sind: Hungariae antiquae et novae prodromuso (Nürnb. 1723), „Adparatus ad historiam Hungariae v (Preßb. 1735—46) und «Notitia Hungariae novae historico-geographica (4 Bde., Wien 1735—42, unvollendet), sämtlich Werke, die wegen ihres Reichtums an Stoff noch immer benutzt werden. Auch die Schrift Der ungar. Sprachmeister» (Preßb. 1728 u. öfter) ist von B. verfaßt. Bel (Karl Andr.), Historiker, Sohn des vorigen, eb. 13. Juli 1717 in Preßburg, studierte in Altorf, Jena und Straßburg, wurde 1743 außerord., 1757 ord. Professor der Dichtkunst in Leipzig, wo er die „Acta Eruditorumo redigierte und 1753—81 die „Leipziger gelehrte Zeitungn herausgab. Er nahm sich 5. April 1782 in einem Anfall von Schwermut selbst das Leben. Sein Hauptwerk ist: De vera origine et epocha Hunnorum, Avarorum, Hungarorum in Pannonias (Lpz. 1757). Bela ist der Name von vier ungar. Königen aus der Arpädischen Dynastie. B. I., 1061-63, unterdrückte energisch den letzten Versuch der Rückkehr um Heidentum, war durch Einführung geregelter Maß⸗, Gewichts⸗ und Münzverhältnisse der eigentliche Schöpfer des Verkehrs in Ungarn und führte die reichstägliche Vertretung ein, indem er zum Reichstage nach Stuhlweißenburg anstatt des gesamten Adels nur zwei Adelige aus jedem Komitate beschied. — B. II., der Blinde genannt, 1131 —41, gewann Bosnien, stand im übrigen unter Leitung seiner klugen, aber auch harten emahlin Helena von Serbien, nach deren Tode er sich dem Trunke ergab und dadurch bald den Untergang fand. — B. III., 1174—96, in Konstantinopel erzogen, führte am Hofe und im Lande byzant. Sitte und Kultur ein, was von wohlthätigen Folgen für des Landes Entwickelung war, aber andererseits B. in Abhängigkeit von dem griech. Kaiser Emanuel brachte. — B. IV., 1235—70, Sohn jenes Andreas II., dem der Adel die »Goldene Bullev (ẽUngarns Magna-Charta) abgedrungen, te durch Niederhaltung des Adels das alte königl. Ansehen wiederherzustellen und erregte dadurch allgemeine Unzufriedenheit, infolge deren ein Teil des Adels den österr. Herzo Duaen mr II. herbeirief, der aber 1236 von B. 900 agen wurde. Als bald darauf die Kumanen vor den andrin enden Monolen nach Ungarn flüchteten, nahm B. deren Fürsien auf und wies den Fremdlingen Wohnplätze an. Doch die nomadischen Ankömmlinge chlossen sich den Mongolen an, welche 1241 in Ungarn verwüstend einfielen und den König am I Sierer in die Flucht schlugen. B. fand ein Asyl in Osterreich, aber erst nachdem er dem Herzoge Friedrich II. seine Schätze ausgeliefert und drei Komitate abgetreten hatte. Als die Mongolen 1242 auf die Nachricht vom Tode ihres Chans Ungarn wieder verließen, kehrte B. in das Land zurück und ließ es jetzt seine Sorge sein, durch Wiederaufbau der zerstörten Orte und Herbeirufung neuer Ansiedler die Spuren der durch die Mongolen angerichteten Verheerungen zu verwischen. Schon 1246 war er wieder stark genug, um Friedrich durch die Niederlage, welche er diesem bei Wiener-Neustadt beibrachte, die ungastliche Aufnahme zu vergelten. Sodann schlug er 1262 einen neuen Versuch der Mongolen, in Ungarn einzufallen, siegreich zurück. B. starb 1270, nachdem noch die Empörungsversuche seines Sohnes Stephan ihm die letzten Lebensjahre verbittert hatten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 707Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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