FeedBelfort Idem R Befort)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Belfort Idem R Befort), Festung und Hauptstadt des aus dem Reste des frühern Depart. Oberrhein gebildeten Verwaltungsbezirks B. (Territoire de B., seit 1878 offiziell wieder Département Haut-Rhin genannt, 610 qkm mit 188 1] 73 593 E.), an der Savoureuse und am Fuße kalkiger Hügel, ist Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Handelsgerichts, besitzt ein Kommunal-Collége, eine Synagoge, ein Theater, mehrere Hospitäler und zählt (1876) 15173 E., die Gerbereien, Brauereien und verschiedene andere Gewerbe betreiben. B. ist als Kreuzpunkt von Iu Straßen ein Hauptstapelplatz für den Handel (Burgunderweine, Champagner) nach Deutschland und der Schweiz, besitzt auch große strategische Wichtigkeit, indem es in der etwa 22 km breiten, zu allen Jahreszeiten für größere Heeresmassen gangbaren Senkun (Trouée de B.) zwischen dem Südabhange der Vogesen und den nördl. Stufen des Jura, an dem Knotenpunkte der Eisenbahnlinien Basel-Paris und Straßburg-Lyon Clalon ist und so Offensivoperationen aus dem undgau nach dem Thale des Doubs und der Saöne verhindert, dagegen von rankreich gegen Elsaß erleichtert. B. wurde in den F. 1865—70 von den Franzosen zu einer Festung ersten Ranges umgeschaffen und durch neue Werke und einen Kranz elbständiger Außenforts, welche den Raum zu einem befestigten Lager für 40000 Mann decken, verstärkt. Die Stadtbefestigung bildet ein bastioniertes Fünfeck. Dieselbe wird südöstlich etwa um 26 müberragt und verteidigt durch die auf einem Felsen erbaute Citadelle, Le Chäteau oder La Roche de B., welche zwei Stockwerke mit Flankenkasematten, Hohltraversen und Reduits im gedeckten Wege, im Innern aber zwei schr tart in. Jur die Defensipkasernen hat, also sehr stark ist. Für die Anlage der Forts ist das Terrain der umliegenden Kuppen vortrefflich benutzt. Nach Osten hin liegen zu beiden Seiten der Straße nach Mülhausen auf langgestreckten Felsrücken die Forts La Miotte und La Justice, letzteres mit einer bombensichern Kaserne als Reduit. Beide sind durch Mauern untereinander und mit der Stadt verbunden und schließen so den Lagerraum ab. Im Westen liegt an der Eisenbahn Fort Des Barres, ein Kronwerk von drei Bastionen, und üdlich davon das kleinere —* La Ferme. Noördlich, wo die Niederung der avoureuse und der lase Teich De la Forge keinen Angriff befürchten lassen, steht nur das Hornwerk L'Espérance unmittelbar vor der Stadt. Dus Süden aber, auf den Kuppen des Bergrückens Des Zerches, der das Schloß überhöht und innerhalb er Tragweite der neuern gezogenen Geschütze liegt, ind zwei Forts, die Haute⸗ und Basse-Perche, welche urch ihre Lage und die zum Teil in Felsen gehaueien Werke und Gräben schr stark sind. Die Herrschaft B. im Sundgau kam im 14. Jahrh. n die Grafschaft Pfirt (Ferette), ward 1648 mit ieser von Osterreich an Frankreich abgetreten, 659 von Ludwig XIV. dem Kardinal Mazarin erliehen und 1781 von dem Herzog von Valentiois erworben, der sie bis zur Revolution als Grafchaft besaß. B. ist erst von Vauban befestigt worsen; es ward im Nov. 1633 vom Herzog von Feria robert, 10. März 1634 vom Rheingrafen Otto den daiserlichen entrissen. Am 28. Mai 1635 schlugen sier die Franzosen und Schweden unter dem Marchall de la Force den. derzog von Lothrin-U. Französischen Kriege ¹ eine lange Verteidizung und —— Rückgabe an Frankeich im versailler ì Präliminar-Frieden Während nochSchletttadt und Neubreisach helagert wurden, entsendete General von Werder die Division π Tresckow gegen B., welches von 20 000 Mann unter Befehl u des Obersten Denfert-H. Rochereau besetzt war. Am 3. Nov. 1870 war weit dies bei dem 2* Teil waldigen errain mit nur 10000 Mann gesche⸗ .˖ hen konnte. Zur Deckung der Einschlie⸗ ö Monpelgand (VWont⸗ Belfort, seine Fortifikationen un beliard) besetztF. Am 20. Nov. verfügte man deutscherseits vor B. über 16000 Mann Infanterie, 1100 Reiter und 30 Geschütze; am 28. Nov. wurde der waldbedeckte Mont-Salbert nordwestlich von B. genommen. Nachdem der Belagerungspark eingetroffen war, begann die Beschießung 3. Dez., und zwar von Westen her aus 27 Geschützen bei Essert und Bavilliers. Dieselbe ergab jedoch keine genügende Wirkung; auch wußte der Kommandant die Belagerung sowohl durch Ausfälle wie durch das sehr geschidt geleitete Geschützfeuer der Forts aufzuhalten. Bayr., württ. und bad. Belagerungseschütze verstärkten den bisher ganz ungenügenden Park, und General von Tresckow richtete den Angriff nunmehr gegen die Dorrs der erches. Am 8. Jan. 1871 wurde das Dorf Danjoutin erstürmt, das am Westabhange der 18 50u von Perches liegt, und am 9. schon konnte das Feuer gegen die Forts eröffnet werden. Am 13Aune trafen Verstärkungen ein, durch welche das Belagerungsheer auf 25 930 Mann, von denen 2500 krank waren, gebracht wurde, am 22. Jan. wurde auch das Dorf Perouse am Ostabhange der Perches genommen und am 26. beim Einbruch der Dunkelheit ein gewaltsamer Angriff auf die Forts versucht. Dieser mißglückte jedoch, indem die Besatzung die Preußen mit einem so mörderischen Feuer empfing, daß sie mit beträchtlichem Verluste zurückweichen mußten. Man wiederholte den Sturm 8. Febr. bei hellem Tage, und er gluckte diesmal. Beide Forts wurden fast ohne Widerstand genommen und, trotz des vom Schlosse her gerichteten heftigen Feuers auch behauptet. Mit großer Mühe wurde schweres Geschütz nach den Perches gebracht, und die Beschießung der Citadelle sollte beginnen, als B. kapitulierte. Der Kommandant, welcher mehrere Aufforderungen, selbst unter Bewilligung freien Abzugs, abgelehnt hatte, seine Umgebung zur Zeit der Belagerung von 1870—71. war jetzt von dem franz. Minister des Auswärtigen, Jules Favre, dazu veranlaßt worden. Am 16. Febr. 1871 wurde die Kapitulation abgeschlossen und der Besatzung, 372 Offiziere und 17332 Mann, in Anerkennung ihrer Ausdauer freier Abzug mit allen kriegerischen Ehren bewilligt, und 18. Febr. rückten die Deutschen ein. B. wurde jedoch im Hurpdder Danerd an Frankreich zurückgegeben. Während der Dauer der deutschen Occupation blieb B. von deutschen Truppen besetzt. Später, na dem es auch thatsächlich wieder in franz. Besitz gelangt war, beeilte die Regierung sich, die Beschädigungen der Festungswerke so schnell als möglich auszubessern, und beschloß weiterhin die Ausdehnung des die Stadt umschließenden Fortsgürtels und damit die Erbauung einiger neuer Forts. Die neuen Bauprojekte wurden 1874 endgültig festgestellt und die auf 12 Mill. Frs. veranschlagten Leipilick, Dienen von der Nationalversammlung bewilligt. ie neu vorgeschobenen Werke kommen namentlich in der Richtung nach dem Ballon d' Alsace zu liegen, beide Perches und Bellevue werden wiederhergestellt, die Positionen Mont-Salbert, Mont-Vaudois, Roppe, Vezelois und Mont-Bard erhalten permanente Werke, ebenso werden Pont de Roide Blamont, Epinal als Sperrforts der nächsten Straßen befestigt. Über die dreitägigen 6von 3. wiich welche 15. bis 17. Jan. 1871 westlich von B. 100 chen dem 14. deutschen Armeekorps unter Genera von Werder und der franz. Ostarmee unter Bourbaki stattfanden und als „Schlacht an der Lisainer zusammengefaßt werden, s. Lisaine. Vgl. Wolff, „Geschichte der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 714Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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