FeedBlattwickler. Wickler
TierreichBrockhaus 1882

Blattwickler. Wickler, Blattroller (Tortricida), eine Familie der Kleinschmetterlinge (Mikrolepidopteren), deren mit acht Paar Beinen versehene Räupchen meistens die Eigenschaft haben, sich Blätter zur Wohnung zusammenzurollen und mit einigen Ichen zu einer Röhre zu wickeln. Einige Arten leben indes auch in Blüten, Beeren, Früchten oder in jungen Schossen. Die Räupchen sind stets nur sehr sparsam behaart, sehr lebhaft, stürzen sich bei Gefahr zappelnd aus ihrem Gehäuse an einem Faden Uaad und verpuppen sich in einem leichten Gespinste an dem Orte, wo sie lebten. Die Schmetterlinge haben feingekerbte Fühler, an der Wurzel breite, häufig grüngefärbte, mit Schulterblättern versehene Vorderflügel, die sie in der Ruhe — tragen, und fliegen erst gegen Abend. Die B. gehören zu den schädlichsten Raupen, die ihrer üörennh wegen leicht übersehen werden, aber durch ihre Anhäufung großen Schaden thun. Einige sind Waldverwüster, so mehrere Arten (Tortrix Buoliana, turionana, resinana, piceana) auf Nadelhölzern, andere auf Eichen (T. viridana); andere wickeln an Obstbäumen, darunter besonders der graue oder rote Wickler (T. ocellana und variegana), die sich in die Knospen der Apfel⸗ und Birnbäume einbohren und diese oft ganz zerstücken; andere leben in Früchten. Hierher gehört der Apfelwickler (T. pomonana). Der im Juni und Juli erscheinende neinen Apfel Falter legt seine Eier einzeln auf die kleinen Apfel, am liebsten an den Fruchtstiel oder in die Kelcheinsenkung; das anfangs weiße, später rote Räupchen bohrt sich ein, verwüstet das Kernhaus, bohrt sich häufig aus einem Apfel in den andern, schafft den Unrat aus seinem Gange hinaus, kriecht ausgewachsen am Stamme herunter und verpuppt sich an der Rinde, wo es in seinem Gespinst den ganzen Winter hindurch Raupe bleibt und erst im Frühjahre zur Puppe wird. Reinhalten der Rinde, überstreichen derselben mit gelöschtem Kalk oder mit Brumataleim (s. d.), Auflesen der abfallenden Früchte, in denen die Raupe noch steckt, sind die besten Mittel dagegen. Ähnlich ist der Pflaumenwickler (T. funebrana). schlimmster Weise macht sich der goldgelbe Rosenwickler (T. Bergmanniana) bemerkbar. Schon im April mit den Blättern auf Gartenrosen erscheinend, lebt und frißt die Raupe zwischen zusammengesponnenem Laube und verläßt ihren Schlupfwinkel nur, um neue Nahrung aufzusuchen. In ihrer Gesellschaft lebt das Räupchen Tortrix Forskaeleana. Gegen diese Fresser gibt es kein anderes Mittel, als das, daß man die Rosen äufig zwischen und alle zusammengesponnenen lätter zwi chen Daumen und Zeigefinger zerdrückt. Der gefährlichste aller Wickler ist der Traubenwickler (T. uvana s. ambiguella), auch Sauerwurm oder Heuwurm genannt, der häufig ganze Rebbezirke aller Ernte beraubt hat. Der Poder erscheint je nach dem Wetter im Mai, April oder auch erst im Juni und legt seine Eier auf die eben entknospenden Scheine oder Blütenknospen. Das Räupchen wird zuletzt über 1 em lang, spinnt die Blütenknöspchen zusammen, verzehrt sie, spinnt sich in Ritzen und Rindenrissen ein, und schon einen Monat später fliegt im Juli und August die zweite Generation. Die Räupchen derselben spinnen die Beeren zusammen, bohren sich in dieselben ein, wodurch ein blauer Fleckentsteht, höhlen sie aus, schaffen den Unrat hinaus, der Fäulnis bewirkt, und zerstören so durch Ausfressen und Faulmachen der zusammengesponnenen Beeren die ganze Traube. Die zur Vertilgung vorgeschlagenen Mittel sind meist wirkungslos. Am liebsten greift der Sauerwurm niedrig am Wasser gelegene Weinberge und in diesen die weichen Traubensorten, z. B. die Kleinberger und Ssterreicher an, weit weniger die Rieslinge, Burgunder und Traminer. Eine ähnliche Art (T. botrana) greift am liebsten die Spaliertrauben an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 143Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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