Blondel, von seinem Geburtsort in der Nähe von Artois de Nesle oder Néele genannt, war ein namhafter Trouvere des 12. oder 13. Jahrh., von dem gegen 30 lyrische Gedichte erhalten sind. Man hält ihn für identisch mit dem durch die Sage berühmt gewordenen Menestrel des Königs Richard Löwenherz von Aunt und dessen Lehrer in der Dichtkunst und Musik und dessen treuer Anhänger ein Dichter B. gewesen sein soll. Als Richard auf seiner Heimkehr von Palästina von dem Herzoge Leopold von Osterreich in Wien gefangen genommen und auf der Feste Dürrenstein eingesperrt worden, sei B. ausgezogen, den verschollenen König aufzusuchen. In Dürrenstein habe er ihn gefunden, indem der König durch das Absingen eines ihnen beiden bekannten Liedes sich ihm zu erkennen gab; er sei dann nach Dtenen⸗ geeilt, um des Königs Loskaufung zu erwirken. Die einzige ältere Quelle für diese Sage ist die von de Wailly Ihem (Par. 1876) herausgegebene Chronik von Rheims aus der 2. Hälfte des 13. Jahrh. Die von Tarbsé herausgegebenen Gedichte des Trouvere Blondiaus und des Königs Richard (Les œuvres de B. de Néeleo, Rheims 1862) bieten keinen Anhaltepunkt für jene Sage. Seit dem 15. Jahrh. allgemeiner verbreitet ist sie in neuerer Zeit als Roman (von Madame Valandon) und als Oper (von Sedaine) verarbeitet worden. Tarbé hat in der erwähnten Ausgabe alles auf den historischen und sagenhaften B. Bezügliche zusammengestellt.