Bodmer (Joh. Jak.), Dichter und Asthetiker, zu Greifensee bei Zürich 19. Juli 1698 geboren, wurde von seinem Vater, einem Pfarrer, anfangs für den geistlichen, später har den Kaufmannsstand bestimmt, wendete sich aber bald entschieden der Poesie und den — Wissenschaften zu. Seine Emeratz Studien der klassischen und der neuern itteraturen verrieten ihm die Armut und Geschmacklosigkeit der deutschen Litteratur seiner Zeit, und er glaubte sich ebenso viel Verdienst als Ruhm zu erwerben, wenn er als Reformator derselben aufträte. Er verband sich mit Breitinger (s. d.) und andern jungen Gelehrten und trat 1721 mit einer Zeitschrift „Discourse der Mahlern» hervor, worin einige deutsche Dichter, die damals in großem Ansehen standen, vor den Richterstuhl einer neuen Kritik gezogen wurden 1. anz richtig im Auf-Duulch einer erhabenen ichtung das Mittel zu Deutschlands geistiger Wiedergeburt erkannte. Goktsched sprach sich anfangs Gunsten der jungen Schweizer aus, trat aber bald, als auch er ihren Tadel erfuhr, an die Spitze ihrer Gegner. So bildeten sich zwei Parteien „die Gottschedsche und die schweizerische, die sich seit 1740, wo B.s Abhandlung Vom Wunderbaren in der Poesier und Breitingers «Kritische Dichtkunste erschienen, lange mit großer Erbitterung bekämpften. Namentlich wirkten die Schweizer günstig und kräftig anregend durch ihre Hinneigung zu den brit. Dichtern durch ihr stetes Zurückweisen auf das klassische Altertum und die ältern deutschen Dichter sowie durch ihre Bekämpfung der franz. Kunsttheorie Gottscheds. B. erhielt 1725 den Lehrsiuhl der helvetischen Geschichte in —— und ward 1737 Mitglied des Großen Rats. Nach dem Tode seiner Gattin und einer Kinder * sich auf ein Landgut zurück und egte 1775 sein Lehramt nieder. Er starb in Zürich 2. Jan. 1783. Seine schriftstellerische Thätigkeit war unermüdlich; er trat nicht nur als ästhetischer und litterarischer Kritiker, sondern auch als Dichter auf. In letzterer Eigenschaft leistete er allerdings am wenigsten, wie seine «Noachider (Zür. 1752, und Berl. 1765; ganz umgearbeitet, Basel 1781), seine dramatischen Arbeiten und seine Üübersetzungen beweisen. Große Verdienste erwarb er sich durch die Herausgabe alter vaterländischer Dichter, eines Teils der Nibelungen» (Zür. 1757), der Manesseschen KSammlung von Minnesängern» (2 Bde., Zür. 1758—59), Boners und Opitz'. Danzel, „Gottsched und seine Zeite (Lpz. 1848); Mörikofer „Die schweiz. Litteratur des 18. Jahrh.v (Lpz. 1861).