Borchardt (Karl Wilh.), einer der ausgezeichnetsten unter den aus der Schule E. G. J. Jacobis hervorgegangenen Mathematikern, geb. zu Berlin 22. Febr. 1817, genoß bis zu seinem 19. Lebensjahre im elterlichen Hause eine sehr sorgfältig geleitete wissenschaftliche 1½½ und widmete sich dann von Ostern 1836 bis Ostern 1843 teils in seiner Vaterstadt, teils in Königsberg dem Studium der Mathematik, für das er schon früh eine ungewöhnliche Begabung ezeigt hatte und durch den Unterricht von L. J. Magnus, Plucker und Steiner aufs beste vorbereitet war. In Berlin schloß er sich vornehmlich an Lejeune-Dirichlet an, in Königsberg, wohin er 1839 sich begab, an Bessel, Neumann und vor allen an Jacobi, dessen Einfluß auf seine wissenschaftliche Entwickelung sich um so nachhaltiger erwies, als sich bald zwischen Lehrer und Schüler ein inniges persönliches Verhältnis bildete, das bis zum Tode des erstern fortbestand. Nachdem B. sodann in Königsberg promoviert (1843), ging er unächst mit Jacobi nach Italien, wo beide den inter 1843—44 in Florenz und Rom verbrachten, blieb darauf mehrere Jahre in Berlin, mit selbständigen mathem. Untersuchungen beschäftigt, deren Resultate er 1845 zu veröffentlichen begann, verlebte den Winter 1846—47 in Paris, wo er mit Liouville, Chasles und Hermite verkehrte, habilitierte sich 1848 an der Universität zu Berlin, wo sich alsbald ein erlesener Kreis von Zuhörern um ihn sammelte, wurde 1855 2en. daeln Mitglied der Akademie der Wissenschaften daselbst, und übernahm kurz darauf, nach dem Tode Evelles, auch die Fortführung des von diesem begründeten Journal für die reine und angewandte Mathematiko, das unter seiner umsichtigen, nach strengen Grundsätzen geregelten Leitung das Hauptorgan des Faches blieb. Als seinen eigentlichen Lebensberuf betrachtete er aber stets die Förderung der Wissenschaft durch eigene Forschungen, was die zahlreichen Abhandlungen algebraischen, analytischen und mathem.⸗physik. Inhalts bezeugen, mit denen er im Verlaufe von 3⁵ Rch A. die mathem. Litteratur bereicherte sämtlich Arbeiten von dauerndem Werte, die sich nicht nur durch die gründliche und erschöpfende Behandlung des Stoffs, sondern auch durch die vollendete Eleganz der Form auszeichnen. Um so mehr ist zu beklagen, daß B.s Datigkeit allzu oft durch hald m Erkrankung unterbrochen wurde, und er deshalb manche angefangene Untersuchung aufeben mußte, sowie er auch aus demselben Grunde seine Vorlesungen an der Universität seit 1861 ausesetzt hatte und erst in den letzten Jahren seines ebens wieder aufnehmen konnte. Er starb nach längern Leiden zu Rüdersdorf bei Berlin 27. Juni 1880, in der wissenschaftlichen Welt hochgeachtet und von allen, die ihm persönlich nahe standen, als ein Mann von lauterstem aldung ver anspruchslosem Wesen und feinster Bildung verehrt.