Börne (Ludw.), berühmter deutscher Schriftsteller (früher Lion Baruch), wurde von jüd. Altern 6. Mai 1786 zu Frankfurt a. M. geboren, wo sein Vater, Jakob Baruch, Wechselgeschäfte trieb. In Berlin, wo er mit Henriette Herz und Schleiermacher in näherer Verbindung stand, und dann zu Halle studierte er Medizin, seit 1807 zu Heidelberg und seit 1808 zu Gießen Staatswissenschaften. Hierauf erhielt er in seiner Vaterstadt eine Anstellung als Polizeiaktuar. Als jedoch Frankfurt 1814 als Freie Stadto wiederhergestellt war, wurde er mit einem Jahrgehalt seiner Stellung enthoben. Aller Fesseln entledigt, konnte er sich nun seinem eigentlichen Berufe, der Publizistik, mit Energie und Liebe widmen. Nacheinander gab er das frankfurter «Staats-Ristrettos, dann die Zeitschwingeny heraus, welche zu Offenbach erschienen, jedoch durch die großherzogl. dal egierung unterdrückt wurden. Er selbst wurde bald hernach in Frankfurt verhaftet und in eine peinliche Untersuchung verwickelt, jedoch gänzlich freigesprochen. Nachdem er 1817 zur evang. Kirche übergetreten war, gab er von 1818 bis 1821 „Die Wage, eine Zeitschrift für Bürgerleben, Wissenschaft und Kunsto heraus und lebte seit 1822 in vollständiger Zurückgezogenheit abwechselnd in Paris, Frankfurt und Hamburg, bis die Julirevolution von 1830 ihn nach Naris zog, wo er (1836) die Zeitschrift Balanceo gründete, um das deutsche Wesen mit dem französischen zu vermitteln. Er starb in Paris 12. Febr. 1837. Die allgemeine Aufmerksamkeit des deutschen Publikums wurde besonders durch 3 „Gesammelten Schriften v 10 Bde., Hamb. 1829 — 34; 2. Aufl. 1835), welche nach der Julirevolution noch eine höhere Bedeutung erhielten, auf ihn . lenkt. Obgleich es B., wie einige 0 die eDum Skiʒzen und Genrebilder, namentlich die Humoreske von der deutschen Postschnecke »‚ Der Narr im weißen Schwan» und die treffliche »Denkrede auf Jean Paule (Erlangen u. Hamb. 1826), beweisen, an Gemüt nicht fehlte, so überwog doch der kaustische Geist, der wesentlich negativ verfuhr, je länger desto mehr in ihm. Seine Erbitterung 4 die in Deutschland herrschende dynastische Politik durchdrang allmählich alle seine Arbeiten, auch die ästhetischen, und drängte ihn vom liberalen Standpunkte immer mehr auf den radikalen. Seine Konsequenzen trieb er, besonders in seinen Briefen aus Pariso und den Neuen Briefen aus Pariso, welche den 9. bis 14. Band seiner „Gesammelten Schriftens (Hamb. 1832 u. Par. 1833—34) bilden, auf die Spitze, sodaß er schließlich nichts schonte, was nicht seinen polit. Uberzeugungen entsprach. Größtenteils eine Vervollständigung der 4Briefe aus (6Bde., Mannh. 1844—50). B. war ein Charakter, der nirgends der Frivolität huldigte und ebenso lühend zu hassen als zu lieben wußte. Ee e sein Zorneifer entsprang der natürlichen Wärme seines Herzens, wie sein Verfahren — Heine und noch (Par. 1837; neue Aufl. als 15. Teil der „Gesammelten Schriften »5, Par. 1838, neueste 1849) beweisen. Über ihn schrieb Heine ein durch leidenschaftliche Auffassung vielfach einseitiges und selbst ungerechtes Buch: 4Heine über B.y (Hamb. 1840). Würdiger faßte ihn Gutzkow auf in der Schrift: „B.s Leben» (Hamb. 1840). B.s Aufsätze aus der Balances wurden von Cormenin mit einer Einleitung und als 17. Teil der Gesammelten Schrifteno (Lpz. 1847; 2. Aufl. 1849) herausgegeben. Eine neue vollständige Ausgabe von B.s „Gesammelten Schrifteno (12 Bde., Frankf. u. Hamb.) erschien 1862 (in neuer Auflage, Wien 1868; 3 Bde., Lpz. 1877). Derselben waren bereits die Briefe des jungen B. an Henriette Herzo (Lpz. 1861) vorausgegangen, welche interessante Beiträge zu seiner IJugendgeschichte liefern. In Paris wurde ihm 1843 von seinen Landsleuten auf dem Pere-La aise ein vom Bildhauer David verfertigtes Denkmal in Erz und 1877 ein solches in seiner Vaterstadt errichtet. Vgl. Beurmann, (Ludwig B. als Charakter und in der Litteratur» (2. Aufl., Frankf. 1841); Karpeles, Ludwig B. Lichtstrahlen aus seinen Werken. Mit einer Biographie B.s (Opz. 1870).