FeedBossuet (Jacques Benigne)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bossuet (Jacques Benigne), dogmatischedo franz. Kanzelredner, Historiker und dogmati 1 Di lemischer Schriftsteller, geb. 27. Sept. 1627 zu Dijon, im dortigen Jesuitenkollegium und im Kolleium von Navarra zu Paris gebildet, folgte in der hilosophie Cartesius, in der Theologie Augustin und Thomas von Aquino. Früh als glänzender Redner Theckonte ward B. 1652 Priester und Doktor der Theologie und erhielt eine reiche Pfründe in Metz. Hier schrieb er eine Widerlegung des Katechismus des reform. Predigers Paul Ferry, bemühte sich um die Bekehrung der Protestanten und redigte öfter am Hofe zu Paris. Im J. 1669 erhielt er das Bistum von Condom, als ihm aber der König 1670 die Erziehung des Dauphin übertragen, legte er 1671 sein —4 Amt nieder und wurde hierauf Mitglied der Akademie. ser, den freilich mit geringem Erfolge gekrönten Eifer, den er auf die Erziehung des Dauphin wandte, wurde er 1680 durch die Ernennung zum ersten Almosenier der Dauphine und 1681 durch die Verleihung des Bistums von Meaur belohnt. Er war der Verfasser der vier Artikel, welche die . 7 der Gallikanischen Kirche und das Recht des Königs über dieselbe gegen päpstl. Angriffe sicherstellten, und deren Annahme seitens der franz. Geistlichkeit er 1682 bewirkte. B. wurde 1697 Staatsrat und im folgenden Jahre erster Almosenier der Herzogin von Bourgogne. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er unter seiner Gemeinde, in deren Mitte er 12. April 1704 starb. ö ů B.s Ruhm gründet sich nicht sowohl auf die Originalität seines Geistes als vielmehr auf die hofmännische Gewandtheit, mit welcher er stets den am Hofe Ludwigs XIV. herrschenden Meinungen Ausdruck zu geben verstand. Seine Reden sind reich an überraschenden, glänzenden Gedanken, aber Beo von ästhetischem als von religibsem Werte. Besonders ausgezeichnet war er als Gelegenheitsredner. Namentlich seine Reden am Sarge der Herzogin von Orleans und des großen Conde gelten für Dan arh von Leichenreden (oraisons funèbres). Den größten Eifer entwickelte B. zeitlebens in der Bekämpfung und Bekehrung der Protestanten. Seine ürclantend al gegen den Protestantismus sind mehr glänzend als wahr, seine zur Vereinigung beider sce angewandten Mittel voller Sophistik und jesuitischer Schlauheit. Doch führten seine Verhandlungen mit dem schwachen Molanus und dem sene Lobrede Leibniz zu keinem Ergebnisse, und seine Lobrede auf die Aufhebung des Edikts zu Nantes zeigte deutlich seine wahren Gesinnungen. Übri-Pena erscheint der Katholizismus nach B.s Darstelung weniger wegen seiner Wahrheit als wegen seiner Bequemlichkeit dem Streltccketten de uberlegen. Auch an den innern Streitigkeiten der kath. Kirche Frankreichs hat B. einen hervorragenden Anteil genommen. Am bekanntesten ist seine Bekämpfung des Quietismus der Madame Guyet und Gele⸗ Verteidigers Fenelon. B. entwickelte bei dieser 92— 7 ebenso viel Gewandtheit als Scharfsinn, schadete sich aber durch die bittere und leidenschaftliche Art, womit er seinen edeln Gegner verfolgte. Die Schriften B.s sind außerordentlich zahlreich. Eine seiner ersten, die KExposition de la doctrine de IEglise catholique sur les matières de controversey (Par. 1671) „hatte durch die kritiklose Form, in welcher er die Lehrunter chiede des Katholizismus und des Protestantismus behandelte, Iu d in streng kath. Kreisen Widerspruch gefunden. In der Histoire des variations des Eglises protestantes „ (2 Bde., Par. 1688) suchte er mit ebenso viel Geschick als Gehässigkeit den alten Vorwurf innerer Zerrissenheit und unbeständiger Lehre gegen den Protestantismus durchzuführen. Trotz seines strengen Kat olizismus verteidigte er als Hoftheolog Ludwigs XIV. die vier Artikel der Gallikanischen Kirche in der Defensio declarationis celeberrimae, duam de potestate ecclesiae sanxit clerus Galligus a. 1682 (2 Bde. „Luxemb. 1730). Für den Unterricht des Dauphin schrieb er den «Discours sur I'histoire universelle, jusqu'à P'empire de Qharlemagnen (Par. 1681; deutsch von Cramer mit Fortsetzung, 7 Bde., Lpz. 1757—86), der erste Versuch einer philos. Behandlung der Geschichte Die Fortsetzung des Werks bis 1661 (Par. 1805) ist aus den Materialien seines Nachlasses geflossen, denen aber die letzte Feile ehlt. Eine andere Frucht tique tirée de IEeriture-Sainter (Par. 1709). Am wertvollsten unter seinen philos. Schriften ist die Introduction à la philosophie, ou traité de la connaissance de Dieu et de soi-memes (Par.1722). Die vollständigste Ausgabe seiner Schriften besorg1ten die Benediktiner (46 Bde., Versailles 1815—19, neue Ausgabe, 30 Bde., Par. 1859—65); das Leben Bi.s vom Kardinal Bausset, welches sich in derselben befindet, wurde von Mich. Feder (4 Bde., Sulzb. 1820—21) übersetzt. „Vgl. Floquet, «B., précepteur du Dauphino (Par. 1864); Réaume, 4«Histoire de B. et de ses Euvres „ (3 Bde., Par. 1869—72); B. and his Lontemporarieso (Lond. 1874); Laur, „B. und die Unfehlbarkeit o (Mannh. 1875). Sein Neffe, Jacques B., geb. 1664, starb als Bischof von Troyes 12. Juli 1743. Seine ausgedehnte Korrespondenz, die sich großenteils auf die Beleuchtung der Lehren Fenelons bezieht, ist den Ausgaben der Werke seines Oheims einverleibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 373Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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