FeedBrion %% Elisabeth)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Brion %% Elisabeth), bekannt als «Friederike von Sesenheim» durch ihre 1Angaper zu Goothe, geb. nach der gewöhnlichen Angabe 1754 (wahrscheinlicher aber schon 1752) zu Sessenheim (nicht Sesenheim, wie der Ort oft irrtümlich genannt), einem niederelsäss. Dorfe, 26 km nordnordöstlich von Straßburg, als die dritte Tochter des dortigen Pfarrers Johann Jakob B. (gest. im Okt. 1787 zu Sessenheim). Goethe lernte dieselbe als straßburger Student im Okt. 1770 bei einem Besuche kennen, den er, 1 als armer Student der Theologie, mit seinem Freunde Weyland bei den Eltern machte, und kehrte dann oft nach Sessenheim zurück. Das Verhältnis zwischen beiden jungen Leuten wurde bald das einer gegenseitigen schwärmerischen Liebe, und das Idyll, welches der Dichter selbst in «Wahrheit und Dichtung so reiend schildert, währte, bis Goethe im August 1771 ie straßburger Universität verließ. Friederike erkrankte E* bald nach seinem Abschiede an einem heftigen Nervenfieber, von dem sie nur langsam wieder genas, und wurde später von dem Dichter akob Michael Reinhold Lenz (s. d.) in leidenschafticher Liebe umworben, welcher, als er keine Gegenliebe fand, in unheilbaren Wahnsinn verfiel. Goethe sah Friederike nur noch einmal wieder, als er im Herbst 1779 den Herzog Karl August von Weimar nach der Schweiz begleitete und 29. bis 30. Sept. von Straßburg aus einen kurzen Besuch in Sessen-Ier machte. Friederile, die dem Dichter stets ein iebevolles Andenken bewahrte und trotz vielfacher Anträge unvermählt blieb, zog bald nach des Vaters Tode mit ihrer jüngern Schwester Sophie zu ihrem Bruder Christian B. nach Rothau ins Steinthal wo derselbe Pfarrer war, 1801 aber allein nach Diersburg im Badif chen zu dem Pfarrer Gottfried Marx, welcher sich mit ihrer ältern Schwester Maria Salomea (in Wahrheit und Dichtunge von Goethe „Oliviap genannt) verheiratet hatte und mit welchem ie 1805 auf Rebel neue Pfarrei in Meißenheim bei Lahr übersiedelte. Hier starb sie 3. April 1813. Ein von freiwilligen Beiträgen aus allen Teilen Deutschlands errichteter Denkstein mit ihrer Marmorbüste schmückt seit 19. Aug. 1866 ihr Grab auf dem Gottesacker zu Meißenheim. Am 18. Juli 1880 wurde auf einem Hügel bei ½ die in „Wahrheit und Dichtung erwähnte Laube Friederikens Ruhey wiederhergestellt und feierlich eineweiht. Vgl. Näke, «Wallfahrt nach Tn und H 1840, Stöber, „Der Dichter Lenz und iederike von Sessenheim (Basel 1842); Düntzer, Frauenbilder aus Goethes Jugendzeit⸗ (Stuttg. 1852); Leyser, 4Goethe zu Straßburgo (Reustadt a. d. H. 1871); Lucius farrer in Sessenheim), 4Friederike B. von Sessenheim. Geschichtliche Mitteilungend (Straßb. 1877; 2. Aufl. 1878); Moschkau, «Friederike B.y (Lpz. 1880); Bielschowsky, (Bd. 2, Frankf. a. M. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 550Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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