Canino (Charles Lucien Jules Laurent, Prinz Bonaparte, Fürst von), ausgezeichneter Naturforscher, auch bekannt durch seine Teilname an der röm. Revolution von 1849, war der älteste Sohn Lucian Bonapartes (s. d.), Fürsten von C. und Musignano, des Bruders des Kaisers Napoleon I., und wurde 24. Mai 1803 1— Paris geboren. Nachdem er verschiedene ital. Universitäten besucht, begab er sich nach Nordamerika, wo er sich naturhistor. Studien widmete. Eine Frucht derselben war die American ng zu Wülo (3 Bde., Philad. 1825), als Fortsetzung zu Wilsons gleichnamigem Werke. ierauf nach Italien urückgekehrt, wo er in Rom einen Aufenthalt nahm, gab er das Prachtwerk „Ieonografla della fauna italica (3 Bde., Rom öt, sind unter K aufzusuchen. 1833—41, in größtem Folio) heraus. Schon vorher war von ihm erschienen: Specchio comparativo delle ornitologie di Filadelfia e di Roma Rom 1827), «Sulla seconda edizione del regno animale di Cuviers (Bologna 1830), sowie Saggio di una distribuzione degli aurimalio (Rom 1831), wozu später noch der „Catalogo metodico dei mammiferi europeio (Mail. 1845) und «Catalogo metodico dei pesci europeis (Neap. 1846) kamen. Durch ihn wurden die periodischen Versammlungen ital. Gelehrten begründet, die ihn mehrmals zum Präsidenten erwählten. In Rom nahm er teil an den revolutionären Bewegungen von 1847 —48, gehörte zur Partei der Ultraliberalen, welche die Romische Republik proklamierten, und bekleidete 1849 abwechselnd die Amter eines Vizepräsidenten und Vorsitzenden der Konstituierenden Versammlung. der dünst Einzug der Franzosen in Rom flüchtete der Fürst nach Frankreich. Jedoch verweigerte ihm laue bei der Landung in Marseille die Regierung eines Vetters, Ludwig Bonapartes, den Aufenthalt in Frankreich, und als er dennoch die Reise nach Paris fortsetzte, wurde er zu Orléans verhaftet und nach Havre gebracht, von wo er sich nach England einschiffte. Erst später gelang es ihm, sich die Rückkehr nach Paris auszuwirken, wo er seit Mitte 1850 wieder seinen naturwissenschaftlichen Studien lebte und 1854 Direktor des Jardin des Plantes wurde. Neben einem «„Conspectus systematum Mastozoologiaes (Leid. 1850) veröffentlichte er seitdem den Conspectus generum aviumv (Bd. 1 u. 2, Leid. 1850), sowie eine Reihe von Monographien. Er starb 29. Juli 1857 zu Paris. C. hatte sich 28. Juni 1822 zu Brüssel mit Zenaide Charlotte Julie eb. zu Paris 8. Juli 1801, einer Tochter mi onapartes, vermählt, die sich durch die Übersetzung mehrerer Dramen illers bekannt gemacht hat und zu Neapel 8. Aug. 1854 starb. Dieser Ehe entsprosen acht Kinder, nämlich drei Söhne: Joseph Lucian Karl Napoleon, Fürst von Musignano, geb. zu Ceht. 18605. 13. Febr. 1824, gest. zu Rom 2. Sept. 1865; Lucian Ludwi Joseph Napoleon, Kardinal und Geh. Kämmerer des Papstes, geb. zu Rom 15. Nov. 1828; Napoleon Gregor Ja lipp, geb. zu Rom 5. Febr. 1839, vermählt 26. Nov. 1859 mit Marie Christine, Tochter des Fürsten Ruspoli, und fünf Töchter: Julie Charlotte Zenaide, geb. 6. Juni 1830, vermählt seit 30. Aug. 1847 mit Alessandro del Gallo, Marquis von Roccagiovine; Charlotte N. Bir.1 Honorine, geb. 4. März 1832, vermählt seit 4. Okt. 1848 mit Pietro, 18. M Primoli; Marie Desirée Eugenie, geb. 18. März 1835, vermählt seit 2. März 1851 mit dem Grafen Paolo Campello; Auguste Amalie Maximiliane, geb. 9. Nov. 1836, seit 2. Febr. 1856 mit dem Prinzen Placido Gabrielli vermählt, und Bathilde Aloisie Leonie, geb. 26. Nov. 1840, gest. 8. Juni 1861 als Gräfin Cambaceres. der erste Dnie W Jesuit und als solcher eifrig bemüht um die Wiederherstellung des Katholizismus in Deutschland im 16. Jahrh., war geb 8. Mai 1521 zu Nimwegen, das damals zum Deutschen Reiche gehörte tudierte seit 1535 in Köln Philosophie und Theologie, legte 1543 als der erste Deutsche das Gelübde ab, in den Jesuitenorden einutreten, und wurde 1546 zum Priester geweiht. ie er in den neu bearbeiteten Ausgaben der Werke des heil. Cyrill von Alexandrien und des Papstes Leo d. Gr. das Alter des päpstl. Primats, des 4. 10 opfers und der guten Werke zu erweisen suchte, so war er als Gesandter der Universität und des Klerus Kölns an den n Refe von Lüttich und an den Kaiser bemüht, den Reformversuch des kölner Erzbischofs Hermann V. von Wied zu vereiteln. Als theol. Ratgeber des Kardinals Otto von Augswei nahm C. 1547 am Tridentiner Konzil teil, weilte dann fünf Monate in Rom, lehrte am Kolleg zu Messina die Rhetorik und ward 1549 nach Deutschland gesandt, um dem weitern Umsichreifen der Reformation ent egenzuarbeiten. Als ittel dazu betrachtete er besonders die Errichtung von Schulen, vor allem zur Vorbildung von Priestern, aber auch für den höhern und niedern Unterricht der Laien. C. begann 1549 seine Lehrthätigkeit an der Universität Ingolstadt, ging 1552 nach Wien, gründete dort ein Kolleg, reformierte die Universität und gewann als einjähriger Verwalter des Bistums Wien, dessen Ebernahme seine Ordensregel ihm unmöglich machte, großen Einfluß auf die ganze österr. Kirche. Im J. 1556 begründete C. ein Jesuitenkolleg in Prag und in Ingolstadt und ward zugleich zum ersten Provinzial der neu errichteten hberdeulj chen Provinz des Jesuitenordens ernannt. Als solcher nahm er 1557 am Religionsgespräch zu Worms, 1559 am Reichstag zu Augsburg, 1562 am Tridentiner Konzil teil. Weit bedeutungsvoller jedoch war seine ausgedehnte Missionsthätigkeit, indem er teils neue Kollegien begründete, wie in München, Landshut, Dillingen, Innsbruck u. a. O., teils durch vorübergehende Predigt oder durch Begründung kleinerer Niederlassungen überall in Deutschland und Polen den Jesuiten Bahn brach. Im J. 1580 zog sich C. nach Freiburg in der Schweiz zurück und starb hier 21. Dez. 1597. Papst Pius IX. sprach ihn 2. Aug. 1864 selig; sein Gedächtnistag it der 27. April. Auch als Schriftsteller hat C. mit großem Geschick dem Katholizismus gedient. Gegenüber den Magdeburger Centurien (s. d.) suchte er die Übereinstimmung der urchristl. und der kath. Lehre nachzuweisen; für den Unterricht schrieb er die in unzähligen Auflagen und in vielen Sprachen verbreitete Summa doctrinae christianae sive catechismus majoro (Wien 1554), weitläufig kommentiert von dem Jesuiten Petrus Busäus (Köln 1586), und die Institutiones christianae pietatis sive parvus catechismus catholicorumo (1566), für die Erbauung das „Manuale catholicorum in usum pie precandi collectumv (Antw. 1530; deutsch, 8. Aufl., Landsh. 1829). Vgl. Florian Rieß, Der selige C (Freiburg i. Br. 1865); Eduard Marcour, „Der selige Petrus C., der erste deutsche Jesuit und zweite Apostel Deutschlandsv(Freiburg i. Br. 1881). — Sein Neffe, Heinrich Ca., gest. 2. Sept. 1610 als Professor des kanon. Rechts zu Ingolstadt, schrieb unter anderm (Antiquae lectiones ad historiam mediae aetatis illustrandamo (6 Bde., Ingolst. 1602—0), die Basnage unter dem Titel Thesaurus monumentorum ecclesiasticorumo (7 Bde., Antw. 1721) neu 1599, Die auch Summa juris canonicio (Ingolst. 1599), ie sehr oft gedruckt wurde.