Eigenschaft nennt man in der gewöhnlichen Weltauffassung die Merkmale, durch welche man die Dinge voneinander unterscheidet, indem man dabei das «Dingo selbst als das für sich Bestehende und die C. als das an ihm Befindliche zu betrachten gewöhnt ist. Dies Verhältnis drückte die scholastische Philosophie mit dem Namen der Substanz und des Attributs aus, wobei die verschiedenen Ruancen einer Grundeigenschaft als die Modi des Attributs bezeichnet wurden. In der neuern Philosophie, welche sich mit der Frage nach dem Verhältnis des Dinges zu seinen E., dem sog. Problem der Inhärenz, vielfach beschäftigt hat, machte sich zunächst die Einsicht geltend, daß namentlich die sinnlichen E. der Dinge nicht sowohl uben selbst als vielmehr unserer Auffassung derselben angehören, daß z. B. die Farbe eines Dinges nur seine Einwirkung auf unsern Gesichtssinn, seine Härte oder Weichheit die Einwirkung auf unsern Tastsinn, seine Süße oder Säure nur die Einwirkung auf unsern Geschmackssinn ist u. s. w. Nachdem Descartes diese Untersuchungen angebahnt, gab ihnen Locke einen gewissen Abschluß, indem er zwischen den primären Qualitäten als den den Dingen selbst angehörigen (wozu er nur die räumlichzeitlichen Bestimmungen rechnen wollte) und den sekundären Qualitäten als den Einwirkungen der Dinge auf unsere Sinnesorgane unterschied. Weiter noch ging er schon in der Definition, daß die E. eines Dinges nichts sei, als seine Fähigkeit, irgend eine Vorstellung in uns zu erregen, und daß deshalb die eigentliche Natur der Substanz unerkennbar sei. Dies führte in der Folge, nachdem durch Kant auch die räumlich-zeitlichen Bestimmungen als subjektive Auffassungen nachgewiesen waren, zu der Unterscheidung des unerkennbaren Dingan-sich (s. Ding) und der erscheinenden E. Unter den nachkantischen Philosophen hat namentlich Herbart dies Problem und die in ihm liegenden Widersprüche scharfsinnig untersucht und die Vielheit der C. des Einen Dinges aus seinem mannigfachen Zusammensein mit andern Dingen zu erklären gesucht. Auf dem lediglich erkenntnis-theoretischen Standpunkte erscheint das Verhältnis von Ding und E. als der ursprünglichste und einfachste Beziehungsbegriff (Kategorie), durch welchen wir die Fülle unserer Empfindungen zu ordnen und zu deuten durch das synthetische Bedürfnis unserer Vernunft gezwungen sind.