Clam, ein gräfl., in Böhmen und Oberösterreich begütertes Geschlecht, hieß früher Perger von Höchenperg, nach der Stammburg Höchenperg in Kärnten, von wo es jedoch im 14. Jahrh. vertrieben wurde. Christoph Perger kaufte 1524 die Burg und Herrschaft C. nahe bei Grein an der Donau (im österr. Untermühlviertel), die seitdem auch bei dem Hause, das sich danach benannte, verblieben ist. Das Geschlecht wurde 1655 in den Reichsfreiherrenstand, 1759 in den erbländischen österr. Grafenstand nißt, sind nater K aufzusuchen. linien, C.Martinicz und C.⸗Gallas. Ahnherr der Grafen von C.⸗-Martinicz ist Johann Gottlieb von C., dessen Sohn, Graf Karl von C. (geb. 1759, gest. 26. Sept. 1826), infolge seiner Vermählung mit der Erbtochter des gräfl. Geschlechts Martinicz 2. Nov. 1792 Namen und Wappen desselben annahm. Der ältere Sohn des Grafen Karl war Graf Karl Joseph Nepomuk Gabriel von C.Martinicz, geb. 23. Mai 1792 in Prag. Derselbe studierte die Rechte und trat 1809 in das Freikorps des Grafen Kinsky ein. Er war in den Feldzügen von 1812—14 dem Fürsten Schwarzenberg als Flügeladjutant zugeteilt und begleitete später Napoleon mit Koller nach Elba. Sodann wurde er zu den Verhandlungen des Wiener Kongresses gezogen und erwarb sich bei diplomatischen Sendungen nach Petersburg die Gunst des Kaisers Alexander, sowie später die des Kaisers Nikolaus. Im J. 1830 zum Generalmajor und Hofkriegsrat ernannt, erhielt er 1831 wichtige polit. Sendungen nach Mailand, Olmütz und andern Orten, später an den preuß. Hof, wo er mit Erfolg die Metternichsche Reaktionspolitik gegen die Freiheitsregungen in Deutschland zu befestigen wußte. Kaiser Ferdinand ernannte ihn 1835 zum General—⸗ adjutanten, 1836 zum Geheimrat und Chef der Militärsektion im höchsten Staatsrate, 1837 zum Dieuilentengen um d mit Beibehaltung der ienstleistungen um die Person des Kaisers und im Staatsrate. C. war ein schroffer Gegner des Konstitutionalismus und strebte die Wiederherstellung der aristokratischen Vorrechte an. Er starb 29. Jan. 1840. Von seinen beiden Söhnen ist der ältere, 4 Jaroslaw, Graf von C.⸗ Martinicz, Führer der böhm. Feudalpartei. Er wurde 15. Juni 1826 zu St. Georgen in Ungarn geboren, studierte die Rechte und begann 1848 unter dem Grafen Stadion seine amtliche Laufbahn, ward 1853 Statthaltereirat in Ofen, 1856 Landespräsident in Westgalizien, trat aber 1859 aus dem Staatsdienste und wurde 1860 in den «verstärktend Reichsrat berufen, an dessen Arbeiten er einen hervorragenden Anteil nahm. Er war Berichterstatter der Majorität, und seine Anschauungen über die Reorganisierung der Monarchie gingen in das Oktoberdiplom von 1860 über. Dem Oktoberdiplom folgten jedoch das Ministerium Schmerling und das Februarpatent von 1861, wodurch sich der Graf in die Opposition gedrängt sah und nun im Abgeordnetenhause des nunmehrigen Reichsrats einer der 2 Anee der feudalen Partei wurde. Eine persönliche Angelegenheit veranlaßte ihn 1862 aus dem Reichsrat auszutreten und seine polit. Thätigkeit auf den böhm. Landtag zu beschränken. Seither war er einer der Führer der flawisch-feudalklerikalen Partei und einer der Urheber der Abstinenzo-Politik der Czechen, welche diese erst 1879 aufgaben. In den Landtag und Reichsrat zurückgekehrt, wurde C. wieder an die Spitze der Partei gestellt und fungierte seitdem als Generalreferent des Budgets. — Sein jüngerer Bruder Richard, geb. 12. März 1832, diente in der Armee bis 1865, nahm dann seinen Abschied und zog sich auf sein Gut zurück. Im J. 1879 wurde auch er vom böhm. Großgrundbesitze in den Reichsrat entsendet. Die jüngere der beiden blühenden Hauptlinien, die Linie C-Gallas, wurde vom Grafen C., einem Bruder des Ahnherrn der Grafen C.Martinicz, begründet. Sein Sohn, Graf Christian Philipp von C., welchem 1757 die umfangreichen Besitzungen des letzten Grafen von Gallas zufielen, nahm den Namen C.⸗Gallas an. Er hinterließ das Erbe seinem Sohne, dem Grafen Christian Christoph von C.⸗Gallas, geb. 1. Sept. 1771, der als k. k. Geheimrat und Oberst-Erblandmarschall des Königreichs Böhmen 21. Aug. 1838 starb. Dessen Sohn ist Graf Eduard von Clam-⸗Gallas (s. d.).