Collodium ist eine alkoholisch-ätherische Lösung von Schießbaumwolle (Nitrocellulose), die in der Heilkunde als Verbandmittel und in der Photographie vielfache Verwendung findet. Die Schießbaumwolle, erhalten durch Einwirkung konzentriertester Salpetersäure oder eines Gemisches von Salpetersäure und konzentrierter Schwefelsäure auf Cellulose, in Form von gereinigter Baumwolle, Papier oder dergleichen, ist eine Nitrocellulose oder der Salpetersäure-Ather der Cellulose. Je nach der Konzentration der angewendeten Säuren und den Umständen der Einwirkung erhält man dabei Trinitro-Cellulose Ce H-(NO2), Os oder Dinitro-Cellulose CeHs(NO.)05. Von diesen zeichnet sich erstere durch stark explosive Eigenschaften aus, ist aber unlöslich in Ather-Alkohol, während letztere beim Entzünden verhältnismäßi schwach verpufft, dagegen in Äther-Alkohol lösli ist und als Collodiumwolle bezeichnet wird. ö Zur Darstellung der Collodiumwolle sind zahlreiche Vorschriften gegeben, von denen hier die in die Deutsche Pharmakopöe aufgenommene allein berücksichtigt werden kann. Zur Gewinnung eines schönen, möglichst amnah Kremt Präparats ist die Verwendung einer durch Krempeln möglichst sorgfältig gereinigten, rein weißen Baumwolle unbedingt nötig; enthält die Baumwolle noch Reste von Samen und andern Verunreinigungen, . wird das Produkt immer gelb und unansehnlich. In eine erkaltete Mischung von 7 Teilen Salpetersäure (1,420 spezifisches Gewicht) und 8 Teilen Schwefelsäure (1,833 spezifisches Gewicht), oder von 8 Teilen Salpetersäure (1,382 bis 1,390 spezifisches Gewicht) und 20 Teilen Schwefelsäure (1,833 spezifisches Gewicht) trägt man 1 Teil Baumwolle ein und sorgt durch Eintauchen mit Glasstäben dafür, daß die Baumwolle rasch von der Säure durchtränkt und gänzlich von der Flüssigkeit bedeckt werde. Das Gemisch bleibt 12 — 24 Stunden stehen, worauf die äußerlich fast unveränderte Baumwolle herausgenommen und durch Waschen mit Wasser von allen Säureresten befreit wird. Die gewaschene Collodiumwolle wird fein zerzupft und an der Luft getrocknet. Von dieser wird 1 Teil mit 3 Teilen Alkohol übergossen und 18 Teile AÄther hinzugefügt. Die Collodiumwolle löst sich beim Umschütteln zu einer sirupdicken, schleimigen, aber klaren Flüsigkeit. Sollte dieselbe noch ungelöste Fasern enthalten, so läßt man sie längere Zeit stehen und gießt dann das Klare ab.