Corneille (Thomas), Bruder von Pierre C., geb. 20. Aug. 1625 zu Rouen, lebte mit diesem bis u dessen Tode in der herzlichsten Einigkeit. Ein Lustspiel in lat. Versen, das er als Schüler in dem Kollegium der Jesuiten gefertigt und das die Ehre der Aufführung erhielt, sowie der Beifall, den seines Bruders Werke fanden, veranlaßten ihn, sich der dramatischen Dichtkunst zu widmen. Nachdem sein erstes, nach Calderon bearbeitetes Lustspiel: „Les engagements du hasardo (1647) Beifall gefunden, schrieb er mehrere diesem ähnliche Stücke nach span. Vorbildern. Die Zahl seiner Dramen beläuft sich auf 42. Die meisten sind jetzt vergessen, obschon sie zu ihrer Zeit zum Teil mehr Interesse erregten als die seines Bruders. Diesen sich zum Muster nehmend, versuchte sich C. auch im Trauerspiele, und sein Timocrate v (1656) und Camma et Pyrrhusp (1661) fanden lange andauernden Beifall. Von seinen übrigen dramatischen Werken sind noch zu erwähnen: Stilicono (1660), das heroische Lustspiel L'inconnuo (1675) und vorallen Krianen (1672) und Le comte d'Essex (1678), die sich auf der Bühne erhalten haben. Schwächer als sein großer Bruder, war er, nach Voltaires Urteil, enst erjenige, der diesem als Dramatiker am nächsten stand. Auch als Mitarbeiter am Mercure galanty machte sich C. beliebt, sowie als Sprachforscher verdient. Als Nachfolger seines Bruders in der Französischen Akademie (1685) beteiligte er sich nicht nur am Wörterbuch der Akademie, das 1694 erschien, sondern arbeitete auch das „Dictionnaire pour servir de supplément au dictionnaire de ID'Académie francaisey (Par. 1694; neue Aufl., 2 Bde., 1732) und ein Dictionnaire universel géographique et historique (3 Bde., Par. 1708), das als Grundlage der nachmaligen Encyclopédien angesehen werden kann und ihm die Mitgliedschaft in der Akademie der NI riften eintrug. Im hohen Alter verlor er die Sehkraft und starb zu Andelys 8. Dez. 1709. Den Werken seines Bruders findet man gewöhnlich eine Auswahl seiner Dramen beigefügt.