FeedCustos (lat.)
ReligionBrockhaus 1882

Custos (lat.), d. h. Hüter, bei den alten Römern Bezeichnung für diejenigen Personen, welche in den Komitien bei dem die Stimmtäfelchen aufnehmenden Gefäße aufgestellt waren, um darüber zu wachen, daß keine Verfälschung vorfiel. Das Wort ging auch in die Sprache der christl. Kirche über, und wie von ihm das Wort Küster (Kirchenhüter) gebildet ist, so gab es in der ältern Kirche einen Custos crucis, der das Kreuz Christi in Verwahrung hatte, einen Custos martyrum, der die Reliquien der Märtyrer, einen Custos sepulcrorum, der die Gräber der Heiligen beaufsichtigte. In neuerer Zeit wird auch der Aufseher einer Gibliothek, Kunst⸗, Naturaliensammlung u. s. w. bisweilen C. genannt. n der No tenschrift heißt C. das Zeichen ( oder /), das sonst an das Ende einer Notenzeile gesetzt wurde, um schon vorher diejenige Linie oder denjenigen Zwischenraum zu bezeichnen, auf welche oder in welchen die erste Note der nächstfolgenden Zeile zu stehen kam. Dieses Zeichen wird jetzt höchstens noch in der Choralnotenschrift verwandt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 727Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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