Dampfkochtopf (frz. marmite de Papin, engl. Papin's digester), auch Digestor genannt, dient zum Kochen von Speisen mittels Wasserdampfes. Die Anwendung desselben beruht auf der Erfahrung, daß der in verschlossenen Gefäßen festgehaltene Wasserdampf vermöge seiner großen ausdehnenden Kraft viel leichter in die Zwischenräume der seiner Wirkung ausgesetzten animalischen und vegetabilischen Körper eindringt, den Zusammenhang ihrer Teile schneller vermindert und dieselben besser auflöst, als es kochendes Wasser vermag. Die erste Anwendung des Wasserdampfes in diesem Sinne zeigt der von Denis Papin (s. d.) um das J. 1680 konstruierte Topf, nach welchem die auf gleichem Prinzip beruhenden Apparate auch Papinischer oder Papinianischer Topf genannt werden. Die vervollkommneten Konstruktionen dieser Apparate (s. beistehende Figur) haben folgende Einrichtung: Ein aus Gußeisen oder aus starkem verzinnten Kupfer⸗ oder Eisenblech bestehendes, innen emailliertes und mit Handhaben h versehenes Gefäß e hat an seiner — innern Wandung, etwa auf ein Drittel seiner Höhe, einen hervorstehenden Rand, auf welchen ein von dünnen Stäben gebildeter Rost gelegt werden kann. Verschlossen wird der D. durch einen gußeisernen, aufgeschliffenen und daher dampfdicht schließenden Deckel d, auf dem ein Sicherheitsventils und ein Hahn a angebracht sind und den ein mit der Stellschraube e versehener Bügel b mit dem Topf verbindet; dieser Bügel dient neben dem Ventil als weitere Sicherheitsvorrichtung, indem der sich etwa zu stark entwickelnde Dampf, welcher durch das Sicherheitsventil nicht mehr genügenden Auslaß findet, den elastischen Bogen in die Höhe drückt und zwischen Deckel und Gefäß ringsum entweichen kann. Beim Gebrauch des D. wird das Gefäß e bis etwa 3 em unter dem Rost mit Wasser gefüllt, worauf die zu dämpfenden Materialien in den Apparat eingeführt werden. Sind dieselben trockener Art (Kartoffeln u. s. w.), so werden sie unmittelbar auf den Rost gelegt; sind sie dagegen so beschaffen, daß sie durch den Rost fallen würden oder daß man ihren Saft erhalten will, so werden sie in besondern Gefäßen auf den Rost gebracht. Man schließt hierauf den Apparat und setzt ihn so lange dem Feuer aus, bis der gewünschte Grad der Kochung erreicht ist. Für Suppen, grüne Gemüse, junges Fleisch, Geslügel u. s. w. genügen 15—20 Minuten; für Hülsenfrüchte, überhaupt getrocknete Gemüse, eingesalzenes Fleisch, mageres Fleisch von ältern Tieren sind 20 —40 Minuten erforderlich. Der angemessene Zeitpunkt ist daran erkennbar, daß ein Wassertropfen, auf den Deckel des Gefäßes gebracht, fast augenblicklich verzehrt wird: man nimmt alsdann den Topf vom Feuer, läßt ihn stehen, bis der Dampf im Innern sich so weit abgekühlt hat, daß er aus dem nun zu öffnenden messingenen Hahn a nicht mehr mit Gewalt ausströmt, und der Deckel kann nun nach Lösung der Schraube e und Abnahme des Bügels b abgehoben werden. Mit gleichem Vorteil wie zum Kochen wird der D. auch zum Braten und Backen benutzt.