FeedDavila (Arrigo Caterino)
GeschichteBrockhaus 1882

Davila (Arrigo Caterino), ital. Staatsmann und Geschichtschreiber, geb. 30. Okt. 1576 zu Pieve di Sacco im Paduanischen, als das zehnte Kind des Anton D., welcher Gran Contestabile von Cypern bis zur Eroberung dieser Insel durch die Türken (4570) gewesen war und, nachdem er in Italien und Spanien umhergeirrt, in Frankreich bei Katharina von Medici und Heinrich III. Schutz gefunden hatte. Diesen hohen Gönnern zu Ehren erhielt D. seinen Vornamen. Im Alter von sechs Jahren wurde er nach Frankreich gebracht und zu Villars in der Normandie bei dem Marschall von Hemery, dem Gatten einer Schwester des Anton D., erzogen. Später kam er als Page an den franz. Hof, nahm 1594 Kriegsdienste unter Heinrich IV. und befand sich bei der Belagerung von Amiens, wo er schwer verwundet wurde. Auf Verlangen seines Vaters, der bereits zehn Jahre früher Frankreich verlassen hatte, kehrte D. 1599 arm nach Padua zurück, trat in venet. Dienste, bekleidete zunächst verschiedene militärische Amter, wurde sodann Gouverneur von Candia, Friaul, Dalmatien und erhielt das von seinen Vorfahren genossene Vorrecht, im venet. Senat neben dem Dogen seinen Sitz einzunehmen. Als er 1631 auf dem Wege nach Crema sich befand, um das Kommando der dortigen Besatzung zu übernehmen, wurde er in San-Michele bei Verona vor den Augen seiner Kinder und seiner Gattin meuchelmörderisch erschossen. Der Mörder ward von einem Sohne des Ermordeten getötet. Ein Jahr vor seinem Tode gab D. seine berühmt ewordene «Storia delle guerre civili di Franciap beraus, welche in 15 Büchern eine ausführliche Geschichte der religiösen und bürgerlichen Kriege in Frankreich von 1560—97 enthält. Das Werk zeichnet sich durch Scharssinn, glückliche Kombinationsgabe, Vermeidung der Schönrednerei jener Zeit und geistvollen Pragmatismus vorteilhaft aus; als Quelle für die Geschichte jenes Zeitraums ist seine AStorias jedoch mit Vorsicht zu gebrauchen. Bei seinem Erscheinen machte das Buch in dem roman. Europa ein ungeheures Aufsehen; im ersten Jahre sollen 20000 Exemplare davon verkauft worden, im Laufe des 17. Jahrh. 200 Auflagen erschienen sein (beste Ausg., 2 Bde., Vened. 1733; 8 Bde., Lond. 1801); es ist fast in alle europ. Sprachen übersetzt (lat., 3 Bde., Rom 1735—45; deutsch, von Reith, 5 Bde., Lpz. 1792—95).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 915Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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