FeedJohann III. Sobieski
GeschichteBrockhaus 1882

Johann III. Sobieski, König von Polen, geh. 2. Juni 1624 zu Olesko (in Galizien), wurde nebst seinem Bruder Markus Sobieski von seinem durch Tugend und kriegerischen Mut gleich achtungswürdigen Vater, Ja kob Sobieski, Kastellan von Krakau, auf das sorgfältigste erzogen und sodann auf Reisen gesandt. Beide Brüder befanden sich in der Türkei, als 1648 des Vaters Tod sie in die Heimat rief. Damals war Polen durch Chmielnickis Siege an den Rand des Verderbens gelangt. Sofort ergriffen beide die Waffen, um das Mißgeschick ihres Vaterlandes zu wenden. Markus Sobieski fiel in dem Treffen bei Batow am Bog: — wurde durch Mut und Tapferkeit bald der Gegenstand der Bewunderung seiner Nation und der Schrecken der Tataren und Kosaken. Er erhielt 1665 das Krongroßmarschallamt, wurde 1667 Krongroßfeldherr und Wojwode von Krakau und, nachdem er 11. Nov. 1673 die Schlacht bei Choczim gegen die Türken gewonnen, die hier 28000 Mann verloren, 21. Mai 1674 einstimmig zum König von Polen erwählt, worauf er 1676 sich nebst honer Gemahlin Marie Kasimire Luise, einer Tochter des Marquis Lagrange d'Arquien und Witwe des Wojwoden Johann Zamoisti, in Krakau feierlich krönen ließ. Als 1683 die Türken Wien elagerten, eilte er mit 20000 Polen herbei und rettete in Verbindung mit den ebenfalls erbeigekommenen Selacht Hilfsvölkern die Kaiserstadt durch die Schlacht vom 12. Sept. 1683, in der er auch die Fahne Mohammeds erbeutete, die er an den Papst sendete. Seine spätern Unternehmungen gegen die ürken waren weniger vom Glück begünstigt. Er starb 17. Juni 1696. Vgl. Salvandy, AIIistoire du roi Jean Sobieski et du royaume de Polognep (6. Aufl., 2 Bde., Par. 1876; deutsch, Stuttg. 1829) und Briefe des Königs J. an seine Gemahlino (deutsch von Ochsle, Heidelb. 1827). Sein ältester Sohn, Jakob Sobieski, geb. 2. Nov. 1667, wurde, als sich ihm nach König Augusts II. Absetzung 1704 Aussichten auf den Sont Königsthron eröffneten, nebst seinem Bruder onstantin auf Veranlassung Augusts II. aufgefangen, der beide anfangs in die Pleißenburg zu Leipzig, dann Jakob auf dem Königstein verwahren ließ und erst nach dem Frieden zu Altranstädt frei258 Er starb 19. Dez. 1734. Von seinen beiden öchtern verheiratete sich die ältere, Rarie Charlotte, mit Latour d'Auvergne, Herzog von Bouillon; die jüngere, Marie Clementine, mit dem brit. Prätendenten Jakob III., von dem sie sich aber seiner Ausschweifungen wegen trennte; sie starb in einem Kloster in Rom 1735. I.s zweiter Sohn, Alexander Sobieski, geb. 6. Dez. 1677, wies mit Rücksicht auf seinen Wan enen ältern Bruder und in Betracht der ankelmütigkeit des poln. Volks alle Anträge, die man ihm in Absicht auf die poln. Krone machte, zurück. Er ging später nach Rom, wo er Kapuziner wurde und 19. Nov. 1714 starb. ö Der dritte Sohn, Konstantin Sobieski, geb. 3. Mai 1680, verheiratete sich mit einer Gräsin Wessel und starb 28. Juli 1726 kinderlos. — Der letzte Nachkomme, Maximilian Johann So⸗— bieski, starb 1875 zu Covington in Nordamerika.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 859Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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