FeedDefregger (Franz von)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Defregger (Franz von), ausgezeichneter Genremaler, geb. 30. April 1835 zu Stronach bei Lienz in Tirol, war eins jener in Tirol seit alten Zeiten häufi vorkommenden, frühreifen Kunsttalente, welche si ohne jede Anleitung mit Schnitzerei oder Ichweeer beschäftigen und diese Thätigkeit neben chwerer Feldarbeit zu pflegen wissen. D. mußte lange warten, bis er diese primitiven Versuche mit einer Schulung vertauschen konnte, und hatte, als es endlich geschah, das Unglück, auf eine ganz falsche Bahn zu kommen. Im Wist kam er nämlich in die Schule des Prof. Stolz nach nnsbruck, wo er Bildhauer werden sollte; aber die geistlose Nazarenische Richtung, welche dort herrschte, konnte der realistischen Natur D.s nicht zusagen. Er begab sich daher nach München, zunächst an die Kunstgewerbeschule, dann zu Piloty, 1862 an die Akademie und endlich das folgende Jahr nach Paris, wo er 1½ Jahre fleißig halte in Nach abermaligem, zweijährigem Aufenthalte in Tirol kehrte er 1867 zu Piloty zurück. Nun begann er rasch berühmt zu werden: seine lebensvollen Schilderungen des Lebens in den Alpen, ihre tiefe Charakteristik, ihr schalkhafter Humor und die hochpoetische Auffassung machten sie in aller Welt bekannt. D. ist seitdem sehr fruchtbar gewesen, seine bedeutendsten Gemälde sind: Des Försters letzte Heimkehr (1867), Speckbacher und sein Sohn Anderl (1869 auf der wiener Deutschen Kunstausstellung, jetzt im Ferdinandeum in Bünckam. welches seinen Ruhm begründete, der Ringkampf in Tirol (1870), die beiden Brüder (1872), Tanz auf der Alm (1871), die überraschten Wilddiebe (1871). Auf die wiener Weltausstellung schickte er 1873: das Preispferd und den ital. Bettelsänger. Eine Krankheit, welche ihn längere Zeit ans Lager fesselte, war Ursache, daß er der Kirche zu Dölsach in seiner Heimat 1873 ein Madonnenbild malte. Großen Erfolg hatte: «das letzte Aufgeboto auf der berliner Akademie-Ausstellung 1874, welches für die kaiserl. Galerie in Wien erworben wurde; das Pendant: Heimkehr der Sieger, gelangte in die Nationalgalerie in Berlin. Weitere Arbeiten waren: Das Tischgebet (leipziger Gemäldegalerie), Abschied von der Sennerin (Galerie in Dresden), Andreas Hofers letzter Gang (Galerie in Königsberg). Im Auftrage der österr. Erzherzoge malte er Andreas Hofer in der innsbrucker Hofburg, welches Gemälde als Geschenk der Besteller für die Silberne Hochzeit des österr. Kaiserpaares bestimmt war; der Schmied von Kochel (münchener Neue Pinakothek 1881), der Liebesbrief und Auf dem Tanzboden (Internationale Kunstausstellung in Wien 1882), schließlich der Salontiroler (1882) sind die neuesten Schöpfungen. D. ist ein tiefer Kenner des Gemütslebens seiner Lands—⸗ leute, deren gesamtes Thun und Treiben er ungeschminkt zu schildern versteht. Seine Auffassung des ländlichen Lebens unterscheidet sich durch ihre Wahrheit und Einfachheit sehr vorteilhaft von dem theatralischen oder süßlichen Wesen der üblichen Dorfgenremalerei und in den reizenden Frauentypen seiner Bilder verschönert er die Wirklichkeit. D. lebt seit 1871 dauernd in München. Im Jan. 1883 wurde er durch Verleihung des Verdienstordens der Bayrischen Krone in den persönlichen Adelstand erhoben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 945Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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