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GeschichteBrockhaus 1882

Dei hieß von 1600 bis 1830 das Oberhaupt der den Raubstaat Algier beherrschenden Janitscharenmiliz, neben dem anfangs noch ein von der Pforte ernannter Pascha die eigentliche Regierung des Landes zu besorgen hatte. Seit 1710 hörte jedoch die Pforte auf, einen besondern Pascha zu ernennen, und erteilte diese Würde dem jedesmaligen D., dessen Bestätigung ihr zukam. Die D. wurden durch die Wahl der algierer Janitscharenmiliz ernannt. Wollte sich die Minderheit dem von der Majorität Gewählten nicht unterwerfen, so kam es häufig zu Blutvergießen, und nicht selten ward der Gewählte selbst wieder von der Gegenpartei ermordet. Der Neugewählte wurde auf den Thron gesetzt, mit dem Ehrenkaftan bekleidet und mußte dann den Eid leisten, in dem er hauptsächlich beschwor, für die regelmäßige Bezahlung der Janitscharen zu sorgen, worauf ihm sämtliche Offiziere der Miliz und die Beamten die Hand küßten. Ein solcher Regierungswechsel war gewöhnlich mit vielen Hinrichtungen verbunden, durch welche der Neugewählte seine Ge-Z. warer zu schwächen suchte. Die Regierungen der waren selten von langer Dauer und die Mehrzahl starb keines natürlichen Todes. Der Name D. (genauer Dai) bedeutet eigentlich einen Oheim von mütterlicher Seite und war die Ehrenanrede der Janitscharenchefs seitens ihrer Untergebenen, welche ö mißbräuchlich zu einer Titulatur gemacht worden ist. Sich selbst nannten die D., je nach ihrer Würde ö im türk. Staatsdienst: Wali (Gouverneur), Beglerbeg (Fürst der Fürsten) und Seriasker Oberbefehlshaber).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 952Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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