FeedDessewffy (spr. Deschöffi)
GeschichteBrockhaus 1882

Dessewffy (spr. Deschöffi), altes ungar. Adelsgeschlecht, welches 1666 den Freiherrenstand, 1775 die österr. Grafenwürde erlangte und gegenwärtig in drei Zweigen blüht. Graf Jos eph D., geb. 13. Febr. 1771 zu Krevian im Saroser Komitat, zeichnete sich als uc mehrcre Schrist aus und erwarb sich auch durch mehrere Schriften, sowie als Freund Kazinczys, des Wiedererweckers der neuern ungar. Litteratur, in der Geschichte derselben einen geachteten Namen. Er starb 2. Mai 1843 mit Hinterlassung dreier Söhne. — Der älteste derselben, Graf Aurel D., geb. 27. Juli 1808, gest. 9. Febr. 1842, war seit 1833 Führer der konservativen Partei sowohl auf den Landtagen als auch in der Journalistik. — Dessen jüngerer Bruder, Graf Emil D., geb. 17. Aug. 1814 zu Eperies, wirkte im öffentlichen Leben zuerst in Verbindung mit seinem Bruder und vertrat die Interessen der Konservativen bis 1848. Während der Revolutionszeit zog er sich ins Privatleben zurück, entwickelte aber später eine bedeutende polit. und soziale Wirksamkeit. So unterschrieb er die Denkschrift von 1850, welche einige Altkonservative dem Kaiser überreichten. Eine andere wichtige Denkschrift verfaßte er 1857, in welcher der Kaiser gebeten wurde, die neuen Anordnungen in Ungarn mit Rücksicht auf die gewonnenen Iusen. Uu einer neuen Erwägung unterziehen zu lassen. Unmittelbar vor dem 20. Okt. 1860 war er als einer der sog. Oktobermänner sehr thätig. Man erwählte ihn 1856 zum ersten Präsidenten der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und diese Wahl wurde seitdem jedes dritte Jahr erneuert. In Whe-Stellung entwickelte D. eine sehr erfolgreiche Thätigkeit. Namentlich suchte er ausreichende Fonds teils zur Errichtung eines eigenen Gebäudes, teils für litterarische Unternehmungen der Akademie zu beschaffen. Die Statuten der Akademie wurden 31 sein Verwenden 20. Nov. 1858 vom Kaiser aufs neue bestätigt. Der Bau des akademischen Palastes, im März 1862 begonnen, war im April 1865 vollendet. Ein großes Verdienst um sein Vaterland erwarb sich D. außerdem durch Begründung einer Bodenkreditanstalt, deren Statuten 1862 die Genehmigung der Regierung erhielten, und die unter seiner Leitung sich des besten Fortgangs erfreute. Als Repräsentant auf dem Reichstage 1865 neigte er zu der polit. Auffassung Deäks, starb aber bereits 10. Jan. 1866 in Preßburg. — Ein dritter Bruder, Graf Marcell D., geb. 24. März 1813, hat sich in weitern Kreisen bmon ders durch die Schrift: «Der polit.⸗soziale Radikalismus der Neuzeite (Wien 1851) bekannt gemacht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 92Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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